Herr der Ringe - Der Krieg im Norden

Getestetes System: Playstation 3
Weitere Systeme: -
Kategorie: Action Rollenspiel
VÖ: November 2011
Entwicklungsstudio: Snowblind Studios
Publisher: Warner Bros.
Interactive Entertainment
Alterseinstufung: 16+
   
Test von: Hermann
Version: (D)
Spracheinstellung: Englisch


Beschreibung

Sicherlich gibt es den einen oder anderen, dem der Herr der Ringe immer noch zu kurz war. Schließlich ist viel im Hintergrund des Hauptgeschehens passiert, was noch großartig ausgewälzt werden könnte. Glücklicherweise ist das bei den Büchern unterblieben, für ein Videospiel bietet dies aber einigen Reiz.

Herr der Ringe - War in the North bietet diese Gelegenheit. Parallel zur Handlung der Bücher, agieren der oder die Helden und tragen ihren Teil zur Rettung von Mittelerde bei. Interessant ist die Möglichkeit mit bis zu zwei zusätzlichen Spielern die Story im Coop durchzuspielen.


Grafik ( 8 / 10 ):

Auch wenn die Grafik nicht herausragend ist, gibt sie dennoch die Welt von Mittelerde stimmungsvoll wieder. Schon zu Anfang gefällt die Stadt Bree mit dem Gasthaus zum tänzelnden Pony, in welchem das Spiel beginnt.

Einige abwechslungsreiche Gebiete warten darauf vom Spieler erkundet zu werden, viele davon nehmen Anleihen an die Trilogie oder an den Hobbit. So interessant die Schauplätze jedoch sind, leiden sie doch an grafischer Langeweile. Auch sind die Spielabschnitte sehr linear aufgebaut und bieten kaum Raum zum Erkunden.

Die Charaktere wirken im Gespräch oft hölzern und starren aus toten Augen, trotzdem sehen die wichtigsten Personen den Schauspielern der Filme ähnlich. Insgesamt besticht hauptsächlich die gelungene und stimmungsvolle Darstellung der Welt Tolkiens.

Richtig schlecht funktioniert die automatische Kameraführung. Gerade in engen Bereichen wie Tunneln oder Gängen muß man andauernd nachjustieren um überhaupt etwas zu sehen. Die schon hektischen und unübersichtlichen Kämpfe werden damit mehr zum Ärgernis als zum Spaß.


Sound & Musik ( 7 / 10 ):

Genauso wie die grafische Aufmachung, ist die Vertonung überdurchschnittlich. Schon in der Anfangsszene fallen allerdings schon Höhen und Tiefen auf, welche sich durch das ganze Spiel ziehen werden.

Im Gegensatz zu den lebhaften und geselligen Hobbits, die in den Büchern und Filmen das Gasthaus in Bree beleben, ist es hier ein stiller und lautloser Ort. Die wenigen Gäste darin sitzen schweigend an ihren Tischen. Einige lassen sich ansprechen und sind relativ gut vertont. Zumindest die englischen Sprecher sind überzeugend und lippensynchron dargestellt. Manche, wie zum Beispiel Gandalf, klingen wie die Sprecher der Filmtrilogie, andere haben keinerlei Ähnlichkeit.

Leider lassen sich in den Einstellungen nicht Sprache, Musik und Effekte getrennt ändern. In vielen Szenen ist die Sprachausgabe viel zu leise und geht im Effektgewittert der Kämpfe unter. Auch wird sie oft durch die Hintergrundmusik übertönt. Wenigstens ist diese angenehm anzuhören und nervt nicht. Auch paßt sie thematisch gut zum Setting und der durch die Filme vorgegebenen Erwartungshaltung.


Singleplayer ( 6 / 10 ):

Zu Beginn kann einer von drei Charakteren gewählt werden, jeder bietet rollenspieltypisch eine der üblichen Klassen ab. So gibt es den Zwerg, der ein guter Nahkämpfer ist. Im Gegensatz dazu steht der Waldläufer, welcher mit Pfeil und Bogen aus der Entfernung kämpft. Die dritte im Bunde ist die eine Elbin, welche sich auf ihre Magie verläßt aber auch ganz gut im Nahkampf funktioniert.

Egal für welchen Charakter man sich entscheidet, im Spiel sind immer alle drei zusammen unterwegs. Die beiden anderen werden vom Computer gesteuert, wenn sie nicht von Freunden im Coop-Spiel übernommen werden. Stirbt eine Figur, kann sie von einer anderen wiederbelebt werden, besser ist es natürlich rechtzeitig einen Heiltrank zu nehmen.

Das Spielprinzip stellt sich schnell als Action Hack & Slay heraus, mit einigen Charakterwerten die gesteigert werden können und viel Ausrüstung zum Einsammeln. Wer die Baldur Gate Spiele auf der PS2 kennt, weiß ziemlich genau was ihn erwartet.

Und das ist leider auch das größte Problem des Spieles, außer Gegnerkloppen wird nichts geboten. Alle Abschnitte laufen nach dem gleichen Muster ab. Es wird ein Stückchen gelaufen, dann kommt eine kurze Storysequenz und kurz drauf findet sich die Dreiergruppe inmitten von Horden von Gegnern. Sind diese besiegt geht es wieder ein Stückchen weiter, wo es dann genau gleich weitergeht.

Schon nach kürzester Zeit wird das langweilig, da helfen auch die zahlreichen Waffen nichts die man unterwegs findet. Diese bieten dann mehr Schaden, oder auch mal einen Boost auf die Grundwerte der Spielfigur.

Je mehr Erfahrungspunkte man sammelt, desto höher steigt die eigene Figur im Level auf. Jeder Aufstieg wird mit Punkten belohnt die man auf die Fähigkeiten wie Intelligenz oder Stärke verteilen kann. Genau überlegen muß man dabei aber nicht, die Auswirkungen sind relativ gering.

Auch die wenigen Spezialfähigkeiten kann man erlernen oder steigern. Aber auch diese tragen nicht viel zum Spielspaß bei, da man diese nur selten benutzen wird. Stupides Drauflosprügeln reicht eigentlich in den meisten Fällen um weiterzukommen.

Etwas würdelos erscheint daß die tapferen Helden jede einzelne Kiste kaputtschlagen müssen um an Geld und Ausrüstung zu kommen. Sicherlich ist dies ein Klassiker in Rollenspielen, wirklich Sinn hat es aber noch nie gemacht. Auch wenn Peter Jackson mit dieser Idee sechs statt drei Filme hätte drehen können, es hält einfach den Spielfluß auf und wirkt sehr störend.

Eigentlich schade daß aus den guten Ansätzen nicht mehr gemacht wurde. gerade die Idee die Geschichte um die Handlung des Herrn der Ringe zu inszenieren ist sehr gut. Allerdings schafft es das Spiel nicht daraus eine spannende Erzählung zu bauen, die eigene Handlung im Spiel erscheint beliebig austauschbar und ohne Konsequenzen für das Fortführen der Geschichte. Emotionen werden keine geweckt, auch alle Personen die man trifft bleiben blaß und sind einem letztendlich egal.


Multiplayer ( 7 / 10 ):

Wie schon angemerkt, läßt sich das Spiel mit bis zu zwei Freunden durchspielen. Dies geht aber nur online oder im Netzwerk, ein Splitscreen Modus ist nicht vorgesehen. Am Spielprinzip ändert sich dadurch nichts, außer daß die Spieler untereinander Gegenstände tauschen können, was besonders bei Ausrüstung sehr praktisch ist.

Ist der Unterschied zwischen dem Level der Mitspieler zu groß, bekommt ein niedrigstufiger Charakter keine XP. Das verhindert daß starke Spieler einfach schwache Charaktere im Level hochziehen. Auch Ausrüstung wird nicht gespeichert.

Man kann aber durchaus mit Freunden unterschiedlicher Stufen zusammenspielen. Ein starker Spieler kann jederzeit in ein Spiel eines schwächeren Charakters einsteigen und helfen.

Gerade bei Onlinespielen gibt es viele Idioten die anderen das Spiel kaputtmachen wollen. Ärgerlich ist es oft wenn ein Mitstreiter wie gestört durch den ganzen Level rennt um Events auszulösen oder Unmengen an Feinden zu ziehen. In War of the North wird das effektiv verhindert, da nur dann in den nächsten Abschnitt des Levels gewechselt werden kann wenn alle Spieler zusammen sind. Auch können Gespräche nur vom Host geführt werden, die Mitspieler können keine Gesprächsoptionen auswählen. Mit diesen Maßnahmen wird das Rushen durch das Spiel effektiv verhindert.


Fazit:

Zu Beginn macht das Spiel noch eine gute Figur, die Handlung ist liebevoll und interessant in die Geschichte des Herrn der Ringe eingebettet. Schon bald macht sich aber Langeweile breit. Mehr als durch die verschiedenen Gebiete zu rennen und Unmengen an Gegnern plattzuhauen gibt es nicht zu tun. Auch die Story verliert schnell an Fahrt und es gibt wenige Gründe bis zum Abspann durchzuhalten.


Wertungsübersicht:

System: PS3
Grafik: ( 8 / 10 )
Sound: ( 7 / 10 )
Singleplayer: ( 6 / 10 )
Multiplayer: ( 7 / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

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