Retro Gaming Challenge

Getestetes System: Nintendo DS
Weitere Systeme: -
Kategorie: Spielesammlung
VÖ: 2008
Entwicklungsstudio: XSEED Games
Publisher: Namco Bandai Games
Alterseinstufung: -
   
Test von: Hermann
Version: (US)
Spracheinstellung: Englisch


Beschreibung

Jeder Retro Fan vermisst bestimmt ab und zu die alten 8-bit Zeiten, als das Videospiel noch einen besonderen Reiz hatte. Ein großer Anteil daran hatte nicht nur das Spielen selbst, sondern auch die soziale Komponente. Da Spiele teuer waren und aufgrund der Module nicht kopiert werden konnten, war jedes Spiel ein wertvolles Stück Investition welche gut durchdacht wurde.

So las man viel in den Spielezeitschriften, wartete nach den ersten Ankündigungen gespannt auf den ersten Test und diskutierte aufgeregt mit den Freuden über die kommenden Spiele. Bekam man endlich eines davon in die Finger, legte man es, oft im Kreise seiner Freunde, gespannt in sein System und machte die ersten Versuche damit.

Da Informationen über die Spiele selten waren, es gab weder ein Internet noch gab es Lösungsbücher oder Unmengen an Zeitschriften, versuchte man sich zusammen mit den besten Freunden an der Lösung des Spiels. Hatte man Glück, gab es auch Tips und Tricks in einer der seltenen Spielezeitschriften. Trotz allem oder gerade aufgrund dieser Hindernisse, bleiben viele gute Erinnerungen aus dieser Zeit.

Für den DS gibt es jetzt ein Spiel daß genau diese Entstehungsphase des Videospielmarktes zum Inhalt hat. Zahlreiche kleine Spiele stehen als Herausforderung bereit, jedes ein typischer Vertreter der 8-bit Ära. Zusammen mit einem Freund spielt man gegen den Gamemaster, welcher den Spieler vor immer neue Herausforderungen stellt. Sind diese geschafft, erscheinen neue Spielmodule, Zeitschriften welche über diese Spiele berichten und weitere Herausforderungen.


Grafik ( 8 / 10 ):

Den Entwicklern ist es sehr gut gelungen die typischen Elemente der 8-bit Spiele herauszuarbeiten. Neben der pixeligen Grafik gibt es auch die typischen Spielvarianten. Der Shooter ist ein Top-Down Scroller, das Rennspiel kommt mit der ehrwürdigen Vogelperspektive daher. Jedes der enthaltenen Spiele könnte sofort als Spiel der von ihm repräsentierten Zeit durchgehen.

Auch wenn dies nach heutigen Maßstäben kaum einen Hund hinter dem Ofen vorlocken würde, der Charme der alten Grafik reißt den Retrogamer sofort mit sich. Würde die Grafikqualität nach 8-bit Maßstäben beurteilt werden, so läge sie im oberen Mittelfeld.

Sehr schön sind auch die im Spiel enthaltenen alten Zeitschriften und Handbücher gestaltet. Sowohl von Layout als auch den verwendeten Elementen entsprechen diese der damaligen Zeit. Vieles daraus würde man so sicherlich in einem alten Heft finden können.


Sound & Musik ( 8 / 10 ):

Der Soundchip des DS ist sicherlich die meiste Zeit total unterfordert, außer der Musik in den Zwischenszenen darf er in den ersten Spielen nur Piepsen und Rauschen von sich gebe. Zu mehr waren die damaligen Spielsysteme eben nicht fähig. Dafür paßt der Sound prima zu der primitiven Grafik und den einfachen Spielumsetzungen. Spiele späterer Epochen bieten schon Musikbegleitung im Spiel. Die Spiele der 16-Bit Ära klingen dann auch entsprechend der Leistungsfähigkeit der damals verbauten Soundchips.


Singleplayer ( 9 / 10 ):

Das eigentliche Spielziel ist in gewisser Weise die Alltagsbewältigung aus der Sicht eines typischen Kind oder Jugendlichen der 8-Bit Ära. Zumindest wenn der Alltag nur aus einem verklärtem Rückblick besteht. Zusammen mit einem Freund verbringt man den Tag vor der Konsole und versucht zusammen die neuesten Spiele zu bezwingen.

Zuerst ist man nur in Besitz eines einzigen Spielmoduls. Für Spieler der älteren Semester ein bekanntes Szenario. Die Eltern haben nach langem Betteln nachgegeben und eine Konsole angeschafft, mit etwas Glück haben auch Oma und Opa noch ein oder zwei Spiele zugeschossen. Für die Internetgeneration mit Aufmerksamkeitsspanne kürzer als die Zeit bis zum nächsten Tweet, mag das grausam klingen. Für den heute schon fast altersdebilen Zocker von damals war das jedoch die Erfüllung eines Traumes.

Da Spiele oft nicht durch Länge glänzten, waren sie relativ schnell durchgespielt. Außer natürlich sie waren hammerhart schwer. Sonst setzte man sich eben selbst Ziele. Schaffe den Level ohne Zusatzwaffe, versuche genau mit 5000 Punkten zu sterben. Lauter solche Schnapsideen um das Spielmodul zu strecken.

In Retro Gaming Challenge gibt eine fiktive, Gamemaster genannte Figur, die Ziele vor. Dies kann das Erreichen einer Punktzahl in einem Spiel sein, oder auch einen bestimmten Level abzuschließen ohne ein Continue zu benutzten. Also all die Sachen welche sich Zocker ausdenken, wenn sie sich lange Zeit mit ein und demselben Spielmodul beschäftigen müssen.

Per Auswahl Menu kann aus der Spielesammlung das aktuelle Modul ausgewählt werden, und flugs wird losgespielt. Die ersten Aufgaben sind schnell gemeistert, dienen sie gerade am Anfang nur dazu in das Spielprinzip einzuführen.

Ab und zu stehen neue Ausgaben der Spielezeitschrift Gamefan Magazine zur Verfügung. Diese geben neben dem typischen Inhalten wie Leserbriefe und Verkaufscharts, auch hilfreiche Tips und Tricks zu den Modulen. Außerdem geben sie Ausblick und Tests auf Neuerscheinungen, welche später auch gespielt werden können.

Sind alle Aufgaben eines Moduls gelöst, wird ein neues verfügbar. Die Spiele selbst orientieren sich dabei an den Jahrgängen von 1984 an und ähneln technisch dem damals verfügbaren. Natürlich können alle Module jederzeit einfach so gespielt werden wenn einem danach der Sinn steht. Das macht auch viel Spaß, da die Module von recht guter Qualität sind. Da stört es auch nicht daß die Spielideen nicht immer besonders kreativ sind, sondern eher ein Produkt ihrer Zeit. Ohne den typischen 2D Shooter wäre ja auch keine historischer Abriß korrekt.

So kommen mit der Zeit mehr und mehr Spielmodule zusammen, jedes übrigens auch mit Anleitung zum Anschauen. Auch die Sammlung an Zeitschriften wächst langsam aber sicher. Nur gut daß der Umfang von Retro Gaming Challenge beschränkt ist, sonst würde es am Ende so vollgepackt aussehen wie bei so manchen Retrofan.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht vorhanden.


Fazit:

Retro Gaming Challenge spielt sich wie ein verklärter Blick auf die gute alte Zeit. Damals war eben doch alles besser.

Die einzelnen Spiele hätte der Entwickler sicherlich auch einzeln als Download verkaufen können, allerdings machen sie erst gerade durch das ganze Retro Drumherum so richtig Spaß. Sowohl als Ganzes, als auch als Minispielessammlung für Zwischendurch, ist das Modul sehr zu empfehlen. Schade daß es in der Spielepresse eigentlich recht untergegangen ist, meiner Meinung nach werden Retroliebhaber kaum ein Spiel finden welches das Retro Thema liebevoller aufgreift.


Wertungsübersicht:

System: NDS
Grafik: ( 8 / 10 )
Sound: ( 8 / 10 )
Singleplayer: ( 9 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Gameplay Video