Tomb Raider

Getestetes System: PS3
Weitere Systeme: XBox One
Kategorie: Action Adventure
VÖ: 2013
Entwicklungsstudio: Crystal Dynamics
Publisher: Square Enix
Alterseinstufung: 18+
   
Test von: Hermann
Version: (D)
Spracheinstellung: Englisch


Beschreibung

Im Reboot der doch schon etwas in Mitleidenschaft gezogenen Tomb Raider Marke, wird die Vorgeschichte von Lara Croft erzählt, wie sie sich vom jungen unschuldigen Mädchen in die ausgebuffte Helden verwandelte, so wie sie die Spieler aus ihren ersten Abenteuern kennen.

Zu Beginn des Spieles ist Lara in der Kabine einen Schiffes zu sehen, stürmische Wetter läßt das Schiff unruhig schaukeln. Plötzlich ein Schlag und das ganze Schifft bebt unter den Erschütterungen. Lara verläßt die Kabine, nur um kurz darauf von den hereinbrechenden Wassermassen durch den Korridor gespült zu werden.

Nach einer spektakulären Flucht vom zerberstenden Schiff, kommt Lara an einem Strand wieder zu Sinnen. Als sie versucht sich bei ihren Crewmitgliedern bemerkbar zu machen, wird sie k.o. geschlagen. Einige Zeit später erwacht sie, kopfüber gefesselt an der Decke hängend, worauf der Spieler die Kontrolle übernimmt.


Grafik ( 8 / 10 ):

Der neue Stil sieht auch auf Konsole richtig gut aus, auch wenn der Blick in die Ferne schnell unscharf wird. Auch das Wasser sollte man nicht so genau anschauen, dieses sieht sehr unnatürlich aus. Dafür ist die Stimmung sehr gut gelungen, das Spiel sieht nicht nur toll aus. Schon zu Beginn an begeistert die gute Darstellung der vom Unwetter heimgesuchten Insel mit ihren zahlreichen düsteren Höhlen.

Lara ist detailliert dargestellt und bringt ihren Charakter sehr gut rüber. Im Gegensatz zu den älteren Serienteilen sind ihre Proportionen viel natürlicher. Auch wirkt sie noch jung und unschuldig, obwohl sie im Laufe des Spieles zum reinsten Massenmörder wird.

Die Laufanimation ist aber nicht gelungen, was einem schon in den ersten Minuten ins Auge fällt. Vor allem wenn man sehr langsam läuft, scheint Lara einfach über den Boden zu gleiten ohne die Füße anzuheben. Aber auch beim schnellen Laufen, bewegt sich Lara in einer Art Zeitlupe. Irgendwie sieht es einfach sonderbar aus. Springen und Klettern ist dafür aber gut gelungen.

Um die Dramatik zu erhöhen wird tief in die Trickkiste der Kameraeffekte gegriffen. Bei Regenwetter sieht der Spieler Wasserflecken auf dem Bildschirm, welche beim Blick gegen Licht Lensflares hervorzaubern. Über diese Art von Effekt kann man trefflich streiten. Abgesehen davon daß diese beim Spielen stoumlren, stellt sich auch die Frage inwieweit das spieltechnisch sinnvoll ist. Die Third Person Perspektive bedeutet ja nicht das der Spieler wie ein Geist hinter Lara mit einer Glasscheibe vor den Augen herfliegt.

Die Licht und Schatteneffekte sind ohne Frage sehr gelungen, und das nicht nur in der Landschaft oder den Höhlen. Wendet Lara ihren Rücken der Sonne ab, ist er dunkler als wenn er vom Licht beschienen wird. Wer also Laras Ausschnitt bestaunen will, sollte sie zur Sonne drehen.

In der HD Neuauflage sieht das ganze leider nicht mehr so beeindrucken aus, vor allem Laras Gesicht wirkt jetzt sehr unnatürlich.


Sound & Musik ( 9 / 10 ):

Die englischen Sprecher sind alle ziemlich gut und bringen die Emotionen ihres Charakters sehr gut rüber. Schon durch die Stimme mag man einige sehr gern, andere sind dem Spieler gleich unsympatisch. Nur Lara jammert recht viel, vor allem am Anfang des Spieles. Trotz einer schweren Wunde im Bauch springt sie wie ein Eichhörnchen durch die Gegend, beim Laufen jedoch keucht und jammert sie während sie gebückt dahinhumpelt. Das paßt irgendwie nicht ganz zusammen.

Die deutschen Sprecher schwanken noch stärker in der Qualität. Manche sind richtig gut, andere klingen steif und hölzern. Leider klingt Lara in dieser Version wie ein verwöhnter und jämmerlicher Teenager, was oft nicht zu ihrem Handeln paßt.

Auch die klangliche Darstellung der Welt ist sehr lebhaft. Während des Sturmes fegt der Wind geräuschvoll durch die Bäume, Regentropfen klatschen hörbar auf den Boden während das gesammelte Wasser lautstark den Berg hinunterströmt. In den actionreichen Szenen wird das ganze noch beeindruckender. Schon zu Anfang des Spieles flüchtet Lara aus einer zusammenstürzenden Höhle, während um sie herum ein wahres Inferno tobt. Felsbrocken krachen lautstark zu Boden und treiben eine deutlich außer Atem klingende Lara voran.

Im Gegensatz dazu stehen die ruhigen Passagen. Steht Lara in einem abgelegenen Waldstück, ist außer dem gelegenlichen Schrei der Möwen nur das leichte Rauschen des Windes zu hören. Laras Schritte treten dann deutlich in den Vordergrund, wie auch ihr eigener Atem wenn sie sich anstrengt.

Musik gibt es dafür nur selten zu hören, diese wird nur an wenigen Stellen eingesetzt um die Dramatik zu erhöhen.

Das einzige negative ist, daß Sprach- und Effektlautstärke nicht getrennt geregelt werden kann. Will man abends spielen kann die Sprache nicht lauter gestellt werden um sie besser zu verstehen, da Schußgeräusche und Explosionen dann auch lauter werden.


Singleplayer ( 8 / 10 ):

Schnell wird klar daß sich einiges in Laras Welt geändert hat. Wer ein typisches Lara Croft Spiel der alten Schule erwartet hat, wird sehr enttäuscht sein. Gleich zu Spielbeginn begibt sich Lara auf eine actiongeladene Flucht aus einer Höhle. Von gescripteten herunterstürzenden Felsbrocken getrieben, jagt der Spieler auf einem vorgegebenen Pfad der Freiheit entgegen. Dabei nerven zahlreiche Quicktime Events, deren Symbole auch nicht sofort verständlich sind. Glücklicherweise werden diese im weiteren Verlauf des Spieles nur spärlich eingesetzt.

Schon nach kurzer Zeit erinnert das ganze Spiel eher an die Uncharted Reihe als einen klassischen Serienvertreter. Gerade am Anfang, als Lara einen an der Steilwand hängenden Flieger hochklettern muß, kommt einem alles sehr bekannt vor. Statt Dschungel eine Eislandschaft, statt einem Flieger ein Eisenbahnwagon. Wer jetzt an Uncharted 2 denkt liegt nicht wirklich daneben.

Im Verlauf des Spieles wird eine ähnliche Mischung aus Kletter- und Kampfeinlagen, durchmischt mit Action und Quicktime Events, geboten. Auch der nahezu fließende Übergang zwischen aktivem Spiel und Zwischensequenzen erinnert stark an das Vorbild.

Aber das Kopieren eines Spielprinzips muß nicht unbedingt etwas schlechtes sein, da das Konzept der Vorlage einige sehr gute Spiele hervorgebracht hatte. Und Tomb Raider schafft es sogar diese zu übertreffen da einige neue und sehr gute Ideen das Spielprinzip verbessern. Eine davon ist das hinzufügen einer minimalen Rollenspielkomponente.

Lara bekommt durch ihre Aktionen Erfahrungspunkte, mit diesen kann sie ihre Fähigkeiten im Überleben steigern. So wird die Ausbeute an Material und Munition beim Plündern von Kisten oder getöteten Gegner erhöht, oder Lara sammelt gebrauchte Pfeile wieder ein. Auf der anderen Seite stehen die Fähigkeiten im Kampf, welche Laras Angriffe verbessern. Aus allen Zweigen können bevorzugte Eigenschaften gesteigert werden. Ist eine gewisse Anzahl einer Stufe freigeschaltet, erhält Lara Zugriff auf weitere und bessere.

Mithilfe des eingesammelten Materials können auch die Waffen verbessert werden, wie auch in anderen Spielen üblich gibt es verbesserten Schaden, mehr Munition und höhere Feuerrate zu aktivieren um in den zahlreichen Kämpfen zu bestehen. An manchen Stellen findet Lara besondere Gegenstände mit denen sich neue Eigenschaften zu den Waffen hinzufügen lassen. So kann der Bogen dazu benutzt werden um Kletterseile zu spannen oder Feuerpfeile zu verschießen.

Mit deren Hilfe lassen sich. ähnlich der Metroid Reihe von Nintendo, dann neue Wege erreichen. So räumen die Feuerpfeile brennbaren Schutt aus dem Weg, während mit den Kletterseilen entfernte Plattformen erreichbar werden.

Um ihre Waffen oder Fähigkeiten zu verbessern, braucht Lara jedoch ein Lagerfeuer. Diese finden sich in schöner Regelmäßigkeit am Wegesrand. An diesen kann aber nicht nur aufgerüstet werden, sondern sie dienen auch als Speicherpunkte. Zusätzlich kann Lara auch zwischen den Lagern über eine Schnellreisefunktion wechseln. Wer die ganzen in den Abschnitten versteckten Gegenstände finden will, kann so komfortabel zwischen diesen wechseln. Nicht wie in anderen Spielen, wo jeder Level mühsam neu gestartet werden muß.

Zu finden gibt es viel. Während die Tagebücher der Inselbewohner etwas Licht auf die Ereignisse werfen, dienen GPS Caches und Relikte nur als reine Sammelobjekte um z.B. Konzeptgrafiken der Entwickler freizuschalten. Geheime Tempel und verteilte Schatzkisten sind Quelle für die wichtigen Ressourcen, mit denen sich die wichtigen Updates der Waffen freischalten lassen. Wer gerne die Spielwelt erkundet, wird auch abseits des Hauptpfades einiges zu erforschen haben. Wobei die Spielabschnitte immer relativ linear bleiben. Dabei hilft eine Überlebensinstinkt genannte Fähigkeit. Drückt der Spieler auf eine der Schultertasten erscheint die Umgebung in dunklen Grautönen während wichtige Dinge hellgelb hervorstrahlen. Auch ersetzt diese Fähigkeit die Funktion eines Questmarkers, eine deutlich erkennbare Lichtsäule weist den Weg.

Neben den Lagerfeuern gibt es noch automatische Speicherpunkte. Diese sind zahlreich und fair verteilt, so daß der Spieler nie einen langen Weg zurücklegen muß wenn er an einer Stelle scheitert.

Neben der interessanten Ausgangslage vom Überlebenskampf auf einer Insel voller Gefahren, erzählt das Spiel eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte. Auch wenn diese mit übernatürlichen Elementen daherkommt, bleibt sie bodenständig und halbwegs realistisch. Nur am Anfang gelingt dies nicht ganz so glaubwürdig. Ist Lara in den ersten Spielminuten noch jämmerlich und verletzlich, ändert sich das im Spielverlauf sehr schnell. Während sie beim ersten getöteten Gegner noch heulend zusammenbricht, mordet sie wenige Minuten später kaltblütig aus dem Hinterhalt und metzelt sich durch die Gegnerhorden wie Rambo.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht angeschaut.


Fazit:

Der Reboot der Tomb Raider Serie ist sehr gut gelungen. Auch wenn vieles bei der Uncharted Reihe abgekupfert wurde, ist es sehr gut umgesetzt und mit einigen neuen Ideen aufgebessert. Auch Laras neue Persönlichkeit gefällt. Im Gegensatz zur starken Powerfrau, erscheint sie endlich als fühlende Person.

Fans der alten Serie werden vielleicht enttäuscht sein, wer sich aber auf das Spiel einläßt wird mit einem spannenden Abenteuer und einer gelungenen Inszenierung belohnt. Im Vergleich zur Uncharted Reihe setzt es genug eigene Maßstäbe und kann sich in einigen Aspekten auch deutlich genug davon absetzen.


Wertungsübersicht:

System: PS3
Grafik: ( 8 / 10 )
Sound: ( 9 / 10 )
Singleplayer: ( 8 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Komplett
System: XBox One
Grafik: ( 7 / 10 )
Sound: ( 9 / 10 )
Singleplayer: ( 8 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Komplett
 

Bilderstrecke

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