Dark Souls

Getestetes System: PS3
Weitere Systeme: PS4
Kategorie: Rollenspiel
VÖ: 2011
Entwicklungsstudio: From Software
Publisher: Bandai
Alterseinstufung: 16+
   
Test von: Hermann
Version: (EU)
Spracheinstellung: Englisch


Beschreibung

Wer auf bockschwere Actionrollenspiele steht, hat sicherlich schon etwas von der Dark Souls Reihe gehört. An diesen Spielen trennt sich das Spreu der Gelegenheitsspieler vom Weizen der richtigen Zocker. Oder zumindest denken dies viele Fanboys, um sich anderen überlegen zu fühlen. Ganz ohne Grund hat die Reihe diesen Ruf jedoch nicht. Zuerst jedoch kurz zur vernachlässigbaren Vorgeschichte.

Die Welt von Dark Souls, das Königreich Lordran, ist von einem Fluch befallen. Verstorbene kehren als Untote zurück die aggressiv und ohne Verstand die Lebenden heimsuchen.


Grafik ( 6 / 10 ):

Das Spiel beginnt in einer dunklen Kerkerzelle, der Spieler ist als Untoter weggesperrt worden. Mithilfe eines mysteriösen Ritters kann er sich befreien und die düsteren und feuchten Gewölbe erkunden.

Passend zum mittelalterlichen Fantasyszenario ist auch die Grafik gehalten. Schon im Startgebiet ist zu erkennen wie die Welt zugrunde geht. Die Anlagen sind verfallen und teilweise schon eingestürzt. Wasser staut sich in den Gängen, durch die Skelette und schlimmeres zieht. Fackeln erhellen die Dunkelheit, wirken dabei aber etwas statisch.

Schon nach kurzer Zeit begegnet der Spielheld dem ersten größeren Gegner. Ein riesiges beeindruckendes Ungetüm mit einer Waffe größer als der eigene Recke.

Dies ist eine der großen Stärken des Spieles. Bildschirmfüllende Zwischengegner, oftmals mit sehr charakteristischen Bewegungs- und Angriffsmustern. Jeder davon völlig unterschiedlich im Aussehen und vom Verhalten.

Nur die Standardgegner wiederholen sich innerhalb der einzelnen Abschnitte, jeder Zwischenboß sorgt dafür erstmal für ein bewundertes Staunen. Zumindest für die ersten Sekunden bis er den Spieler zu Brei schlägt oder mit Feuerattacken röstet.

Nachdem der erste Boss gefallen ist, geht es in ein weitläufigeres Areal. Eine riesige verfallene Burganlage. Fast jeder neue Spielabschnitt bietet ein unterschiedliches Aussehen. Seien es Verliese, weitläufige Landschaften oder die Mauern einer Burg.

Herausragend ist die Levelarchitektur. Das komplette zusammenhängende Gebiet wird durch zahlreiche freischaltbare Abkürzungen verbunden. Ist die Erkundung zuerst recht linear, zeigt sich später wie vernetzt die Wege durch die einzelnen Bereiche sind.

So schön das alles jedoch aussieht, hat Dark Souls ein großes Manko. An manchen Stellen fällt die Bildwiederholrate in den einstelligen Bereich. Einige Gebiete sind sogar nahe der Unspielbarkeit.

Die Remastered Version sorgt endlich für Abhilfe. Nicht nur bietet sie endlich eine stabile Bildwiederholrate, sondern kann auch von 30 auf 60fps hochgestellt werden. Damit sind auch die vorherigen Problemgebiete endlich vernünftig spielbar. Zusätzlich wurde die Grafik deutlich aufpoliert. Höhere Auflösung, neue Lichteffekte und stark verbesserte Texturen lassen das alte Spiel in neuem Glanz strahlen.


Sound & Musik ( 8 / 10 ):

Vieles der oben genannten Probleme macht aber das Sounddesign wieder gut. Gegner sind eindeutig zu hören und im Raum zu orten. Diese, an sich triviale Eigenschaft, wirkt sich deutlich auf das Spielerlebnis aus. Neben der tollen Atmosphäre die sich durch Ton und Bild entwickelt, bietet es auch handfeste spielerische Vorteile.

Wer hört wo ein Gegner herumläuft, kann diesem einfacher Ausweichen oder wird nicht durch einen Angriff überrascht. Schon nach kurzer Spielzeit kann man Gegnertypen anhand ihrer charakteristischen Geräusche unterscheiden.

In den sehr gut gemachten, und leider viel zu wenigen, Videosequenzen, wird die Story von sehr guten englischen Sprechern erzählt. Andere Sprachen gibt es nicht, nur Untertitel. Aber wie gesagt gibt es davon viel zu wenig, nur an entscheidenden Stellen wird ein kurzer Videoschnipsel eingespielt.


Singleplayer ( 7 / 10 ):

Mit dem Erzählen einer spannenden Geschichte gibt sich Dark Souls sehr zurückhaltend. Wenig erfährt man über die Welt oder woher die Untotenplage gekommen ist. Nur wer Beschreibungen von Waffen oder Rüstungen liest und die wenigen Storyfetzen in Zusammenhang bringt, bekommt überhaupt etwas von einer Hintergrundgeschichte mit.

Das Spiel konzentriert sich ganz auf seine Mechanik, eine davon ist das Kampfsystem. Sinnloses draufhauen ist der sichere Weg zum Untergang, wer Dark Souls durchspielen will, muß das Kampfsystem meistern.

Auf der einen Seite machen Gegner oft sehr viel Schaden und kombinieren geschickt ihre Attacken und Abwehr. Wer einfach nur drauflos prügelt, trifft nicht einmal da seine Angriffe geblockt werden und wird für Gegenangriffe verwundbar. Zusätzlich kostet alles Ausdauer. Wer zu oft attackiert oder zu viele Schläge blocken muß, verliert jede Aktionsmöglichkeit.

Geschickter ist es den Schlägen der Gegner auszuweichen und durch gezielte und gut getimte Gegenangriffe den Kampf zu steuern. Auch gekonntes blocken oder parieren öffnet ein Zeitfenster für einen gelungenen Treffer.

Aber auch dann sollte man sich am Riemen reißen. Nach einem oder zwei Treffern, ist es oft besser sich wieder zurückzuziehen und auf die nächste Gelegenheit hinzuarbeiten. Ganz wie bei einem echten Kampf eben, man belauert den Gegner und nutzt seine Schwächen aus.

Während die ganze Taktik bei den normalen Mobs oft nicht ganz so wichtig ist, Fehler werden da durchaus noch verziehen, sind sie bei den Zwischenbossen unabdingbar. Wer einfach nur vorstürmt und draufhaut, überlebt keine Minute.

So muß jeder Boss gelernt werden, der Spieler muß sich auf die Angriffe und Bewegungsmuster einstellen und sie erlernen. Teilweise macht es sogar Sinn die Ausrüstung anzupassen. Eine schwere Axt macht zwar viel Schaden, das hilft aber nichts wenn der Boss so schnell unterwegs ist daß er jedem Schlag einfach ausweicht.

So gilt es sich immer und immer wieder auf neue Herausforderungen einzustellen und zu experimentieren. Oft ist die richtige Ausrüstung an Waffe und Rüstung schnell gefunden, je nach Geschmack zieht man leicht gepanzert und mit wenig Schaden ins Feld. Oder mit schwerer Zweihandwaffe und der Gewandtheit eines Tanklasters. Beim nächsten Boss kann das aber schon ganz anders aussehen.

Wer aufmerksam gezählt hat, wie oft das Wort Zwischenboss bisher vorgekommen ist, hat schon fast verstanden was Dark Souls ausmacht. Jeder Boss ist einzigartig und benötigt eine angepaßte Taktik die es erst herauszufinden gilt. Bemerkenswert ist auch wie verschiedene Spieler mit diesen klarkommen. Was dem einen seine Nemesis ist, verspeist ein anderer Spieler innerhalb von Sekunden zum Frühstück.

Der Rest vom Spiel ist nur dazu da den Spieler zu ärgern. In jedem Gebiet gibt es Lagerfeuer. Rastet der Spieler an einem, wird die Spielwelt quasi zurückgesetzt. Besiegt Gegner sind wieder an ihrem Platz, Bosse und wenige spezielle Widersacher ausgenommen. Lebensenergie und Heiltränke werden wieder aufgefüllt und mit Seelen können die Charakterwerte wie in einem Rollenspielsystem gesteigert werden.

Seelen gibt es von besiegten Gegner und Bossen, ähnlich Erfahrungspunkten in anderen Spielen. Stirbt man bleiben diese an der Stelle des Todes zurück und müssen wieder eingesammelt werden. Widererweckt wird man am Leuchtfeuer an welchem man zuletzt gerastet hat. Schafft es der Spieler nicht lebendig zu seinen Seelen, sind diese verloren. Dank zahlreichen Gemeinheiten wie Fallen, Abgründe und Hinterhalte, passiert das schneller als einem lieb ist. Wenn ein Dark Souls Spieler frustriert aufschreit, sollte man besser nicht fragen wie viele Seelen verloren gegangen sind.

Mit jedem Levelaufstieg kann sich der Spieler verbessern, mehr Stärke erhöht den ausgeteilten Schaden, Vitalität erhöht die Lebensenergie. Intelligenz dagegen hilft bei Zaubersprüchen. Je nach Spielstil sollte man peinlich genau darauf achten welche Werte man steigert um das Optimum herauszukitzeln. Da es kaum Erklärungen zu den Werten gibt, passiert es aber schnell daß man Punkte verschwendet.

Da man aber immer neue Seelen sammeln kann, stellt das kein riesiges Problem dar. Ist man an einer Stelle zu schwach, wird der Charakter einfach gesteigert bis man weiterkommt.

Oft hilft es aber auch mit der Ausrüstung zu experimentieren oder diese zu verbessern. Jede Waffe kann bei einem Schmied hochgerüstet werden und macht dann deutlich mehr Schaden. Viele davon können auch in magische oder okkulte Waffen verwandelt werden, oder in stärkere Versionen ihrer selbst. Auch bieten Charakterwerte, wie z.B. Stärke, Boni auf manche Waffen. Das herausfinden von den effektivsten Kombinationen kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Für Rüstung gilt ähnliches, auch hier gibt es viel zu experimentieren.

Allerdings kostet das Verbessern Seelen und verbraucht Ressourcen und diese müssen erst mühsam gesammelt werden. Geschenkt gibt es in Dark Souls nur den Tod. Deswegen informieren sich viele Spieler vorab in Wikis und Foren um den Aufwand überschaubar zu halten.


Multiplayer ( 5 / 10 ):

Da das ganze Spielprinzip schon etwas sperrig ist, sollte wohl der Multiplayer dem in nichts nachstehen. Neben einer Art Koop gibt es auch die Invasion in andere Welten, als bei fremden Spielern einzudringen und diese anzugreifen.

Damit das ganze nicht zu einfach wird, braucht es dafür einige Vorraussetzungen. Zuerst muß der Spielercharakter menschlich sein. Dazu lassen besiegte Gegner ab und zu Menschlichkeit fallen. Verbraucht der Spieler diese, kann er an einem Lagerfeuer wieder von einem Untoten zu einem Menschen werden. Dies hält solange an bis der Spieler stirbt.

Nur in diesem Zustand kann man in die Welten anderer Spieler eindringen oder sich von anderen helfen lassen. Allerdings öffnet das auch die eigene Welt anderen Spielern.

Mithilfe eines speziellen Verbrauchsgegenstands sucht das Spiel nach einem zufälligen anderen Spieler. Als rot leuchtendes Phantom muß man diesen dann suchen und kann sich ihm im Kampf stellen.

Am besten stellt man die Konsole in den Offlinemodus, dann hat an Ruhe von überpowerten Jungspunden die Freude daraus ziehen unerfahrene Spieler niederzumachen. Bezeichnend ist daß man dazu die Konsole offline nehmen muß, eine Option im Spiel gibt es dafür nicht. Erst in der Remastered Version kann das im Spiel umgestellt werden.

Noch komplizierter ist der Koop Modus. Auch hier braucht es einen Gegenstand mit dem man ein Beschwörungssymbol auf den Boden zeichnet. Andere Spieler müssen in ihrem Spiel an die gleiche Stelle und können dann beschworen werden.

Ein richtige Zusammenspiel ergibt sich aber dadurch auch nicht, da der beschworene Spieler nur im Kampf unterstützen kann und auch nur im aktuellen Gebiet. Stirbt einer der beiden, wird der unterstützende Spieler wieder in seine Welt zurückgeworfen. Dann muß er sich dort wieder alleine an die Stelle durchkämpfen wo er beschworen werden kann. Im schlimmsten Fall verbringen die beiden Koop Spieler einen Großteil der Spielzeit getrennt in ihren eigenen Welten.


Fazit:

Auch wenn die Beschäftigung mit Dark Souls irgendwie an Selbstkasteiung erinnert, übt das Spiel doch einen großen Reiz aus. Und sind wir mal ehrlich, Dark Souls ist nicht so schwer wie sein Ruf. Vielmehr erfordert es Geduld, etwas Übung und eine gewisse Leidensfähigkeit. Wer ungeduldig vorprescht wird gnadenlos bestraft. Wer ruhig und besonnen spielt, wird selten echte Probleme bekommen und viel Spaß dabei haben.

Der Multiplayer gewinnt einen Preis für die kompliziertest und umständlichste Umsetzung die man sich ausdenken kann. Auch wenn es zu zweit viel Spaß macht, verbringt man doch die meiste Zeit damit sich zusammenzufinden anstatt miteinander zu spielen.

Aufgrund der besseren technischen Umsetzung und einiger kleiner Verbesserungen im der Handhabung, sollte man unbedingt zur Neuauflage greifen.


Wertungsübersicht:

System: PS3
Grafik: ( 6 / 10 )
Sound: ( 8 / 10 )
Singleplayer: ( 7 / 10 )
Multiplayer: ( 6 / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
System: PS4
Grafik: ( 8 / 10 )
Sound: ( 8 / 10 )
Singleplayer: ( 7 / 10 )
Multiplayer: ( 6 / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Bilderstrecke

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