Eriksholm: The Stolen Dream ist die Geschichte eines Geschwisterpaares in einer Welt, die klar in arm und reich aufgeteilt ist. Eriksholm ist aber auch die Geschichte einer Stadt, die wegen einer tödlichen Krankheit von der Außenwelt abgeriegelt wurde.
Diese verteilt sich über mehrere Inseln einer kleinen Bucht, wobei die Armen zusammengepfercht in den Arbeitervierteln leben und von der Polizei unterdrückt werden. Die Reichen dagegen lassen es sich auf ihren abgeschotteten Inseln gutgehen und schwelgen in Luxus.
Zu Spielbeginn erwacht Hanna im ihrem Bett in der heruntergekommenen Unterkunft, nachdem sie wie durch ein Wunder die Seuche überlebt hat. Ihr kleiner Bruder Herman, der sie in der Zeit gepflegt hatte, macht sich freudig auf den Weg zu seiner Arbeit.
Als er nicht zurückkommt und stattdessen die Polizei auftaucht und nach seinem Verbleib fragt, dämmert es ihr, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Dies ist der Auftakt zu einem Abenteuer, das weit größer wird, als Hanna je ahnen konnte.
Nach dieser ersten und hervorragenden Zwischensequenz startet das Spiel in einem Heizungskeller. Ähnlich Commandos oder ähnlichen Spielen wird das Geschehen in isometrischen 3D, also schräg von oben, dargestellt. Mit Hilfe der Maus lässt sich der Bildausschnitt vergrößern und verkleinern, und auch in alle Richtungen drehen.
Diese ersten Spielabschnitte sehen einfach hervorragend aus. Die gesamte Stadt wirkt heruntergekommen und hat offensichtlich ihre besten Zeiten lange hinter sich. Die einzelnen Stadtteile gruppieren sich harmonisch gewachsen auf den kleinen Inseln inmitten der Bucht von Eriksholm.
Hanna schleicht durch verkommene Gassen oder über die Dächer, wobei die Spielabschnitte dabei nicht wie künstliche Spielwelten wirken. Die Stadt sieht sehr natürlich gewachsen, bzw. verkommen aus. Einige Einwohner stehen herum und unterhalten sich, aber auch die Polizeipräsenz ist auffällig hoch.
Im weiteren Spielverlauf erkunden Hanna und ihre Freunde zahlreiche unterschiedliche Spielabschnitte, so kommt auch keine grafische Langeweile auf. Die Minen und die Kanalisation sind dabei aber die schwächsten Spielabschnitte, da sie vor allem mit viel Dunkelheit glänzen.
Die englischen Sprecher schaffen es die tollen Dialoge hervorragend wiederzugeben. Vor allem Hanna ist ziemlich zickig und bringt das auch sprachlich gut rüber. Aber auch die anderen spielbaren Mitstreiter haben viel Charakter, welcher auch hervorragend von ihren Sprechern dargestellt werden. Aber nicht in Deutsch, hier gibt es nur Untertitel.
Selbst Nebencharakter, welche kurz auf der Straße zu sehen und zu hören sind, wurden mit viel Liebe und Qualität vertont.
Musik gibt es sehr selten, meistens nur wenn die Geschichte in kleinen Zwischensequenzen weitererzählt wird. Dafür klingen die Umgebungsgeräusche immer sehr realistisch und tragen zur düsteren und melancholischen Stimmung bei.
Mithilfe Mausklick steuert der Spieler Hanna durch die Welt. Wichtige Gegenstände, Türen oder Fenster, werden durch einen kleinen Farbpunkt markiert. Sobald der Spieler mit der Maus darüberfährt, wird eine mögliche Aktion angezeigt.
So kann Hanna erst durch ein Fenster schauen, um dann zum passenden Zeitpunkt durch eine Tür zu gehen. Aber auch Schalter lassen sich aktivieren um Maschinen zur Ablenkung zu starten oder den Weg freizumachen.
Die ersten Schritte sind noch einfach. Zuerst zum richtigen Zeitpunkt durch eine Tür gehen. Danach einen Gang entlang schleichen, während die Wachen mit einem anderen Bewohner des Hauses diskutieren. So werden die Spielelemente schritt für Schritt dem Spieler beigebracht.
Über eine Leiter wird der Dachboden erreicht, der aber auch schon von den Wachen kontrolliert wird. Während diese ihre Runde läuft, gilt es ihr auszuweichen und einen rettenden Luftschacht zu erreichen. Dazu ist zuallererst gutes Timing erforderlich, im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art, ist Pausieren nicht möglich.
Aber auch die Umgebung gilt es zu beachten, Metallplatten im Boden sind beim Betreten sehr laut, so dass nahe Wachen darauf aufmerksam werden. Läuft aber eine laute Maschine, fällt der zusätzliche Krach nicht mehr auf. Somit liegt die Lösung auf der Hand, bzw. der Schalter für die Maschine in Sichtweite.
Auch Licht und Schatten spielen eine große Rolle, im Dunkeln kann Hanna sich gut verstecken, während sie im Licht sofort von den Wachen erspäht wird. Auch hier kann der Spieler die Umgebung beeinflussen, Lampen können abgeschaltet oder zerstört werden.
So gilt es die meiste Zeit aus der Sichtlinie der Wachen zu bleiben und die Umgebung geschickt auszunutzen. Hannas Ziel liegt meistens am anderen Ende der Karte, dieses muss sie erreichen, ohne von den Wachen erwischt zu werden. Oft gilt es einfach dem Weg durch Hinterhöfe und über Dächer zu folgen, dabei Wachen auszuweichen oder sie geschickt abzulenken.
Dabei gibt fast immer genau einen Weg, nur selten sind kleine Abzweigungen vorhanden. Gibt es solche, führen sie meistens zu Sammelgegenständen.
Was noch einfach klingt, wird im Laufe der Zeit immer komplizierter. Das liegt vor allem an weiteren Fähigkeiten die Hanna lernen kann, was dann auch ihre Optionen erweitert. So kann sie später im Spiel Regenrohre an Gebäuden erklettern oder Gegner mit ihrem Blasrohr ausschalten.
Im Verlauf der Geschichte kommen zwei weitere Charaktere hinzu, zwischen denen der Spieler beliebig wechseln kann. Alva, Anführerin der Diebe, ist ein geschickter Kletterer und besitzt eine Steinschleuder. Damit kann sie die Beleuchtung zerstören oder Gegner ablenken und ebnet oft den Weg für den Rest der Gruppe.
Der dritte im Bunde ist Sebastian, dieser kann schwimmen und ist so in der Lage Wachen zu umgehen und von hinten K.O. zu schlagen. Im Gegensatz zu Hannas Blasrohr machen die ausgeschalteten Wachen dabei keinen Krach. Allerdings muss Sebastian dafür nahe an sie herankommen.
Die Fähigkeiten der Mitstreiter müssen dann kombiniert werden, um die Gegner der Reihe nach auszuschalten. Die Lösung gleicht einem Rätsel, welches gelöst werden muss. Die Durchführung erfordert dann Timing und Geschick, da es keine Pausefunktion gibt. Allerdings können Aktionen vorbereitet werden, um sie dann auf Tastendruck gleichzeitig abzuspulen.
So könnte Alva eine Wache mir einem Steinwurf ablenken, während Sebastian sich anschleicht und seinen Kollegen in den Würgegriff nimmt. Bevor sich dieser dann umdrehen kann, betäubt Hanna diesen dann mit einem Pfeil. Allerdings ist es nicht immer so einfach, da Umgebung und andere Wachen oft eine einfache Lösung verhindern. Glücklicherweise sind Rücksetzpunkte sehr fair gesetzt, somit kann nach Herzenslust herumprobiert werden.
Die einzelnen Spielabschnitte sind dabei sehr abwechslungsreich gestaltet, so geht es aus dem Arbeiterviertel über ein Bergwerk und Fabrikhallen, bis zu den Wohngebieten der Reichen. Schlussendlich tragen sie den Kampf sogar auf die Inseln der Elite.
Das passt alles schön zur Hintergrundgeschichte und der Spielwelt. In einem der letzten Abschnitte wird es dann aber sehr unglaubwürdig. Wenn ein einzelnes Mädchen in einem Feuergefecht alleine vorrückt, um mit einer Aktion das Kampfgeschehen zu beeinflussen, muss der gesunde Menschenverstand schon sehr zurückstecken.
Was genau ist Eriksholm denn jetzt? Eindeutig kein typischer Vertreter des Commando Spielprinzipes. Vielmehr ist es eine schön erzählte Geschichte in einer glaubwürdigen und spannenden Spielwelt, welche vor allem durch Rätsel und kleiner Timing- und Geschicklichkeitseinlagen aufgewertet wird. Durch das Spiel tragen aber vor allem die Charaktere, und die Interaktion zwischen ihnen, zum gelungenen Erlebnis bei.