Farcry Primal

Getestetes System: PC
Weitere Systeme: -
Kategorie: 3D-Shooter
VÖ: 2016
Entwicklungsstudio: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Alterseinstufung: 16+
   
Test von: Hermann
Version: (D)
Spracheinstellung: Englisch


Beschreibung

Nachdem FarCry schon an vielen Orten auf der Welt spielte und die Story immer verrückter wurde, geht dieser Teil in eine andere Richtung. Nicht nur spielt es im Zeitraum von 10.000 Jahren vor Christi, es ist auch alles viel weniger durchgeknallt wie von den anderen Serienteilen gewohnt.

Als Jäger in der Steinzeit ist das Leben auch so schon hart genug. Als eine Mammutjagd ordentlich fehlschlägt, bricht der einzige überlebende Krieger auf, die verstreuten Reste seines Volkes zu finden. Sicherlich die gerechte Strafe dafür, so ein kleines süsses Mammutjunges niederzumachen. Die Steinzeit ist nichts für weichherzige Menschen.


Grafik ( 7 / 10 ):

Der erste Eindruck ist deutlich schlechter als bei FarCry 4, obwohl dieses etwas älter ist. Statt fotorealistischer Welt, wirkt alles eher grob und eine Hardwaregeneration hinterher. Nach kurzer Zeit fällt das aber kaum noch auf, und der Spieler erfreut sich an der Spielwelt.

Diese hat die Besonderheit, dass sie sehr lebendig dargestellt ist. Wölfe rennen im Rudel herum und jagen ihre Beute, wohl dem Spieler der sich zu wehren weis. Säbelzahntiger tragen erlegte Rehe im Maul, lassen diese aber erschreckt fallen und flüchten, wenn sie den Spieler als Gefahr sehen. Sehen sie ihn eher als Nahrung, kann das Urzeitleben schnell vorbei sein.

Auch wenn die Spielwelt sehr überbevölkert wirkt, alle Par Schritte rennen irgendwelche Tiere oder Mitbewohner herum, sorgt das für ein schönes Erlebnis. Langweilig wird die Spielwelt nie.

Die grafische Darstellung ist sehr explizit, empfindliche Spieler könnten sich daran stören. Die Gewalt ist aber nie Selbstzweck, sondern passt zum Setting.

Die Charaktere wirken zwar manchmal etwas hölzern, sind aber gut dargestellt. In Erinnerung bleiben der etwas verrückte Schamane und vor allem die total durchgeknallte Ohrensammlerin. Ja, richtig gelesen, die Frau sammelt abgeschnittene Ohren und trägt sie als Schmuck.


Sound & Musik ( 8 / 10 ):

Beim Lesen des, der Special-Edition beigelegten Wenja-Sprachbuchs, wird darauf hingewiesen, dass im Spiel die Sprache Wenja verwendet werde. Der Spieler solle diese erlernen, da nicht alles mit Untertitel versehen sei. Das klingt erstmal wie eine dumme Idee, wer will schon eine neue Sprache lernen nur um ein Spiel zu verstehen. Glücklicherweise ist das nicht nötig, alle Dialoge sind mit Untertiteln versehen. Nur den in der freien Welt herumlaufenden Bewohner fehlen diese. Aber das ist eigentlich egal, da diese meistens ignoriert oder bekämpft werden. Die Urzeit ist kein Ort für freundliche Unterhaltungen.

Richtig toll sind die zahlreichen Umgebungsgeräusche, die Welt ist nicht nur visuell lebendig, sondern klingt auch so. Wer die Augen zumacht, kann ganz in der Welt versinken. Wer ein nahes Fauchen hört, sollte aber nicht zu lange die Soundkulisse genießen, sonder Leiber davonrennen.


Singleplayer ( 7 / 10 ):

Den die Welt von FarCry Primal gibt sich als gefährlicher Ort aus. Und viele der umherstreifenden Tiere sind auch eine Gefahr. Das gilt auch für viele Beutetiere, ein anstürmendes Mammut ist am Anfang tödlich.

Das ändert sich jedoch schnell. Erfahrene FarCry Spieler können es schon in der ersten Stunde mit einem Bären aufnehmen. Da reichen sogar die Anfangswaffe und ein Hauch Taktik.

Vom Spielprinzip ist Ubisoft drin, wo FarCry draufsteht. Also ein typisches Open World Adventure mit einer Karte voller Icons und Symbolen. Wie schon in den Vorgängern gibt es Außenposten zu erobern, um die Kontrolle über die komplette Karte zu erlangen. Diese, und die vielen Lagerfeuer sind am wichtigsten, da sie als Schnellreise- oder Spawnpunkte dienen. Quests geben Erfahrungspunkte und zusätzliche Einwohner für das eigene Dorf. Richtig gelesen, ein Basisbau ist neu dazugekommen.

Durch Storymissionen kommen einige besondere Charaktere zum eigenen Stützpunkt hinzu. Jeder ermöglicht weitere Verbesserungen der Fähigkeiten. Das Skillsystem ist also nicht nur an Erfahrungspunkte, sondern auch an den Ausbau des eigenen Dorfes gekoppelt. Mit gesammelten Ressourcen können Hütten gebaut und erweitert werden, was dann weitere Wenja ins Dorf zieht. Deren Anzahl wirkt als eine Art Erfahrungspunkte für die Weiterentwicklung der eigenen Basis.

Im Laufe der Hauptgeschichte trifft der Spieler auf zwei gegnerische Fraktionen, welche als Unterdrücker der Wenja dargestellt werden. Somit ist der Auftrag klar: Raus in die Welt, die Gegner töten und das Land zu erobern.

Daneben gibt es viele kleine Nebenmissionen und Sammelitems, welche Erfahrungspunkte geben, um weitere Fähigkeiten freizuschalten. In speziellen Abschnitten durchlebt der Spieler Visionen, ähnlich wie in anderen FarCry Spielen. Dabei werden neue Spezialfertigkeiten erlernt. In der ersten Vision gibt es eine z.B. Eule als Begleiter, welche die Gegend erkunden kann.

In der Spielwelt können auch Tiere gezähmt werden, sobald die entsprechende Fähigkeit erlernt wurde. Diese unterstützen im Kampf und geben auch Schutz vor räuberischen Tieren. Greifen Wölfe anfangs oft an, ergreifen sie lieber die Flucht, sobald der eigene Säbelzahntiger nur böse schaut.

Ubisoft typisch gibt es auch massenhaft Sammelgegenstände in der Welt verteilt, diese sind aber oft schwer zu finden. Die meisten Spieler werden schnell die Lust, daran verlieren ihre Zeit damit zu verschwenden. Die Vorteile davon sind auch sehr gering. Etwas Erfahrung und zusätzliche Einwohner, lohnen den Aufwand dafür nicht.

So schön die Welt auch ist, mit dem Realismus wird es nicht immer ganz so ernst genommen. Ob die Bewohner der Steinzeit wirklich einen Wurfhaken zum Klettern bauen konnten, sei mal in Frage gestellt. Auch der Einsatz der Eule als bombenwerfende Drohne, ist vermutlich historisch nicht zu belegen. Insgesamt beugt sich der Realismus eindeutig der Spielbarkeit und vor allem der Ubisoftformel.

Leider gibt es immer noch Bugs. Öfters ärgern Clippingfehler nach Nutzen des Kletterhakens oder bei Sprüngen. So ist das Steckenbleiben in der Umgebung zwar keine Katastrophe, da der Teleport zu einem Außenposten auch dann funktioniert. Allerdings ist dann der gesamte Weg bis zum Zielpunkt nochmals zu laufen.

Auch die Spiellogik versagt an einigen Stellen. In einer Mission reitet der Spieler auf einem Mammut, um es zu retten. Sobald dieses die Herde erreicht hat, ist die Mission abgeschlossen und der Spieler steigt herab. Nur um dann von der wütenden Mammutherde zu Tode getrampelt zu werden.

Nervig ist auch die überladene Steuerung am PC. Fast die Hälfte der Tasten ist mir irgendwas belegt, andauernd kommt man durcheinander oder drückt die falsche Taste in der Hektik. Wirklich schlimme Fehler gibt es allerdings nicht, eher kurzzeitige Frustmomente, welche aber schnell vorbeigehen.

Dafür glänzt das Spiel mit einigen tollen Ideen. Wird ein Speicherstand geladen, gibt es eine kurze Einführung über die wichtigsten Eckpunkte der Hauptgeschichte. Der Schamane erzählt diese anhand eines Zusammenschnitts wichtiger Zwischensequenzen.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht vorhanden.


Fazit:

In FarCry Primal gibt es keinen abgedrehten, ultrabösen Oberschurken, das schlägt sich leider auch im Spielerlebnis nieder. Die Sammel- und Erkundungsorgien leben eben auch vom verrückten Setting. Hier ist der Spieler in einer unbarmherzigen Welt und verfolgt eine ernste Geschichte. Das gefällt, kann aber nicht an die Vorgänger anschließen.

Auch ist der Spielanfang etwas zäh, da die ganzen Optionen sehr schnell eingeführt werden. Wer das Spielprinzip mag, aber die nicht ganz so verrückte Action gegenüber den anderen Serienteilen bevorzugt, wird hier glücklich. Alle anderen finden ein gutes Spiel, das aber etwas aus der Reihe tanzt.


Wertungsübersicht:

System: PC
Grafik: ( 7 / 10 )
Sound: ( 8 / 10 )
Singleplayer: ( 7 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Gameplay Video