Ghostbusters (2016)

Getestetes System: XBox One
Weitere Systeme: -
Kategorie: Twin-Stick Shooter
VÖ: 2016
Entwicklungsstudio: Fireforge Games
Publisher: Activision
Alterseinstufung: 12+
   
Test von: Hermann
Version: PAL (D)
Spracheinstellung: Deutsch


Beschreibung

Zeitgleich zum eher durchschnittlichen Ghostbusters Film von 2016, erschien auch ein weiteres Spiel der beliebten Marke. Die Hintergrundgeschichte hat aber wenig mit dem Film gemeinsam.

Die Hintergrundgeschichte ist völlig banal. Die richtigen Ghostbusters aus dem Film, also die vier Damen, sind abwesend und die Aushilfstruppe muss ran, als ein Notruf eingeht. Zwei Damen und zwei Herren, übernehmen die Aufgabe mal wieder die Stadt zu retten.


Grafik ( 7 / 10 ):

Auf einer Übersichtskarte kann der Ort der nächsten Mission ausgewählt werden, wobei zum Beginn natürlich nur die erste erreichbar ist. Die Grafik erinnert mit ihrem Cartoon Stil eher an die The Real Ghostbusters oder sogar die Scooby Doo TV Serien. In den isometrisch dargestellten Spielabschnitten funktioniert das aber sehr gut.

Trotz vieler Details bleibt das Gewusel übersichtlich, gerade in den wilden Gefechten sind unzählige Geistererscheinungen und Geschosse unterwegs. Da die einzelnen Charaktere auch stark überzeichnet dargestellt sind, ist es einfach, seine Spielfigur in dem ganzen Gewimmel im Auge zu behalten. Eine kreisförmige und farbige Markierung hilft zusätzlich.

In seltenen Fällen kommt es selbst auf der Xbox One X zu Rucklern oder sogar kurzzeitigen Aussetzern, das sollte bei der einfachen Grafik eigentlich nicht passieren. Aber sie stören den Spielfluss nicht, auch wenn sie deutlich bemerkbar sind.

Insgesamt gibt es sechs verschiedene Örtlichkeiten zu besuchen, die meisten bieten drei Spielabschnitte. So besuchen die Geisterjäger zum Beispiel ein altes Herrenhaus, den Friedhof oder ein schwimmendes Hotel. Jedes Level bietet sein eigenes Grafikset, besteht aber aus sich oft wiederholenden und abwechslungsarmen Bausteinen.


Sound & Musik ( 7 / 10 ):

Musikalisch wird nicht sehr viel einprägsames geboten, herausragend ist aber natürlich die Filmmusik. Diese wird einfach nie langweilig. In den Spielabschnitten wird eher gruselige Ambientmusik geboten.

Die Soundeffekte passen zum Grafikstil und sind leicht übertrieben, was aber toll zur Stimmung beiträgt. Die Geisterhatz ist immer laut und spaßig. Dazu tragen auch die guten englischen Sprecher bei, welche die Charaktere verkörpern. Deutsche Sprachausgabe gibt es nicht.

Im Spiel geben sie pseudocoole Sprüche von sich, was aber zu den hippen und jugendlichen Figuren passt. Die Zielgruppe ist eindeutig nicht der Fan der originalen Filme.

In den kleinen Zwischensequenzen, welche beim Freischalten eines neuen Levels abgespielt werden, nerven die Sprecher aber mit unlustigem Technogebabbel.


Singleplayer ( 5 / 10 ):

Die alberne Story kann ignoriert werden, die Geisterjäger laufen linear aufgebaute Missionen ab und vernichten jeden Spuk, der ihnen in die Quere kommt. Das Spielprinzip würde sich am einfachsten als Mischung aus Gauntlet und einem Twin-Stick Shooter umschreiben.

Warum sie dabei auf Gatling Gun, Schrotflinte und Pistolen zurückgreifen, ist wohl eher in der Entwicklungsgeschichte als in der Ghostbusters Lore begründet. Bekanntermaßen wurde das Spiel in kürzester Zeit zusammengestrickt. Vermutlich gab es schon einen 2D Shooter in der Schublade, der dann schnell umgemünzt wurde.

Trotzdem macht die Geisterhatz erstmal viel Spaß. Anfangs nur mit müder Kampfkraft, kämpft sich der oder die Spieler durch die ersten Level.

Jeder Charakter hat einen Protonenstrahler und seine spezielle Schusswaffe. Mit Hilfe dieser wird den Geistern Schaden zugefügt, wobei Geister-Minions sich einfach auflösen, wenn die Lebensenergie alle ist.

Das Schießen funktioniert wie bei einem Twin-Stick Shooter. Mit dem linken Analogstick läuft die eigene Spielfigur, mit dem rechten wird gezielt. Der Controller-Trigger funktioniert als Feuerknopf. Das klappt nach kurzer Eingewöhnung wirklich sehr gut.

Größere Gegner müssen zuerst mit den normalen Waffen sturmreif geschossen werden. Ist ihre Energie aufgebraucht, werden sie für den Protonenstrahler anfällig. Dann können sie ganz klassisch in eine Falle geführt werden. Mit dem Protonenstrahler muss dazu weiter draufgehalten werden, eine kleine Anzeige gibt die Richtung vor, in welcher der rechte Analogstick gedrückt werden muss.

Nach kurzer Zeit sind die Geister erschöpft und können dann zu Boden geschleudert werden. Je nach Typ dauert es zwei bis drei Durchgänge, bis sie reif für die Falle sind. Das kennt man so schon aus anderen Ghostbusters Spielen, aber nicht aus den Filmen.

Eine Anzeige, bzw. die Sprachausgabe der Kollegen, informiert über den richtigen Zeitpunkt zum Auslösen der Falle, worauf der Geist durch einfachen Tastendruck gefangen wird. Mit einem kleinen Buttonmash-Minispiel, können noch extra Erfahrungspunkte gesammelt werden. So einfach ist die Geisterjagd.

Das gilt auch für das gesamte Spiel. Der Anspruch ist recht gering, auch unerfahrene Spieler sollten problemlos durch einen Level kommen. Stirbt einer der Spieler, kann er von den anderen wiederbelebt werden. Nachteile gibt es dadurch nicht. Nur falls alle vier Spieler oder CPU Kollegen, das zeitliche segnen, startet die Runde am letzten Checkpoint. Diese sind aber recht fair gesetzt.

Am Ende jedes Level wartet ein Bossfight. Dieser ist aber nichts anderes als ein normaler Gegner, nur stärker und oft mit mehr Unterstützung. Aber auch die Bosse sind nicht besonders schwer zu knacken. Netterweise ist auch direkt davor immer ein Checkpoint.

Durch besiegte oder gefangene Geister gibt es Erfahrungspunkte. Mit genug Punkten gibt es einen Levelaufstieg, wodurch es Fähigkeitspunkte gibt. Damit kann dann je nach persönlicher Vorliebe, Waffenschaden, Laufgeschwindigkeit oder eine andere Fähigkeit verbessert werden.

Dadurch kann sich jeder Spieler seinen Lieblingscharakter anpassen. Da sich alle vier auch etwas unterschiedlich spielen, motiviert das Levelsystem für eine weitere Runde. Zusätzlich locken neue Outfits, die nach und nach freigeschaltet werden. Diese bieten jedoch nur optische Anpassungen.

Nicht von Spielern geführte Charaktere, werden durch CPU Mitstreiter aufgefüllt, die kompetent mitspielen. Erfreulicherweise heben sie auch keine Heilgegenstände auf und verschwenden sie dadurch sinnlos.

Allerdings bekommen sie keine Erfahrungspunkte im Laufe des Spieles. Aber sie haben den Level und alle Fähigkeiten, die sie sich im Laufe ihrer Existenz im Speicherstand angesammelt hat. Das bedeutet, dass jede Erfahrung die ein menschlicher Spieler für einen Charakter gesammelt hat, auch erhalten bleibt, wenn dieser von der CPU gesteuert wird. Er bleibt aber quasi auf diesem Stand eingefroren, bis er wieder von einem Menschen übernommen wird.

Leider ist das Spiel in vieler Hinsicht hingeschludert, so kann dieser Mechanismus einfach ausgehebelt werden. Wer genug Controller hat, tritt kurz vor dem Spielende mit jedem Charakter dem Spiel bei und bekommt dann die volle Erfahrung. So ist es leicht, alle Figuren parallel zu steigern.

Aber auch an anderen Stellen springt einem der fehlende Feinschliff ins Gesicht. Die einzelnen Missionen sind viel zu lange. Diese dauern 30 bis 40 Minuten und ziehen sich dann wie alter Kaugummi. Durch die abwechslungsarmen Spielabschnitte und das repetitive Spieldesign kommt schnell das große Gähnen. Hier wäre es deutlich besser gewesen, die einzelnen Abschnitte aufzuteilen und auf kürzere Spielesession zu setzen. Dann wäre es ein tolles Spiel für kurze und knackige Spielesession für zwischendurch. Gerade die späteren Level, wie das ewig lange und eintönige Hotelboot, hätten dadurch profitiert.

Zwischendrin ärgern auch einzelne Bugs. So gibt es einen Boss, der im schlimmsten Fall in der Levelgrafik hängen bleibt und dadurch nicht mehr einzufangen ist. Das ist zwar kein Beinbruch, da der Checkpoint direkt davor liegt, aber leider kommt dieser Bug sehr häufig vor.

Vereinzelt traten auch Abstürze auf, was besonders ärgerlich ist, wenn man sich schon 40 Minuten durch den Level gekämpft hat. Da die Checkpoints nicht gespeichert werden, geht die Runde nach dem Neustart der Konsole am Levelanfang los. Die komplette Spielzeit ist dann für die Katz.

Die letzte Mission ist die größte Enttäuschung, es wurden nur noch Räume mit Bosskämpfen aneinandergereiht. Vermutlich reichte die Zeit nicht mehr für einen richtigen letzten Level und es musste noch etwas Spielzeit gestreckt werden.

Der große Endboss ist dann der Witz schlechthin. Ein Spieler stellt sich ins Eck und arbeitet die Lebensenergie des Endgegners ab. Von der richtigen Stelle aus, ist der Boss komplett wehrlos. Durch die große Energieleiste, dauert es aber einige Zeit um ihn zu besiegen. So sollte kein Finale in einem Spiel aussehen, liebe Entwickler.


Multiplayer ( 6 / 10 ):

Dabei hätte alles so schön sein können. Gerade der Couch Koop mit bis zu vier Spielern ist ein Highlight. Da wurde auch an alles gedacht. Spieler können mitten in einer Runde einsteigen, auch wenn der Spielercharakter dann nicht auswählbar ist. Dieser wird automatisch zugewiesen. Im Gegensatz zum Spielstart, wo jeder Mitspieler den Charakter und sein Outfit auswählen kann.

Verliert jemand die Lust oder muss nach Hause, kann er das Spiel jederzeit verlassen und die CPU übernimmt. Wenige Spiele sind da so flexibel.

Durch die sehr unterschiedlichen Charaktere mit ihrer jeweils eigenen Spielweise findet auch jeder eine passende Spielfigur. Das sorgt beim Spiel mit Freunden für zusätzlichen Spaß, da jeder bestimmte Aufgaben im Team übernehmen kann. Der schnellste Spieler sucht nach Geheimnissen, während der Gatling-Gun-Typ ordentlich Schaden austeilt.

Ein Wermutstropfen ist aber das Fehlen eines Mehrspielermodus über Internet, dieser hätte den Multiplayer nochmal deutlich aufgewertet.


Fazit:

Diese Ghostbusters Umsetzung hätte das Zeug zu einem Hit gehabt, die Mischung aus Twin-Stick Shooter und Gauntlet spielt sich sehr angenehm. Durch das Levelsystem ist man anfangs auch motiviert dranzubleiben. Vor allem mit 2-4 Spielern hat man viel Spaß.

Allerdings patzt das Spiel bei einem wichtigen Punkt: Es fehlt an Abwechslung. Diese Art von Spiel wäre perfekt für ein oder zwei kurze Runden zwischendurch, aber nicht für 40-minütige Runs durch immer gleiche Aneinanderreihung von ähnlich aussehenden Räumen. Viel zu schnell kommt gähnende Langeweile auf, vor allem wenn man alleine spielt. Dann quält man sich durch die viel zu langen Spielabschnitte. Oder eben auch nicht.

Somit ist das Spiel nicht zu empfehlen, vor allem da man kaum nach dem ersten Durchlauf weiter spielen wird. Sehr schade, da hier eine große Chance verschenkt wurde.


Wertungsübersicht:

System: XBox One
Grafik: ( 7 / 10 )
Sound: ( 7 / 10 )
Singleplayer: ( 5 / 10 )
Multiplayer: ( 6 / 10 )
Spieldauer: Komplett
 

1 SPieler Gameplay Video XBox One



2 Spieler Gameplay Video XBox One