Gold Rush!

Getestetes System: Amiga
Weitere Systeme: PC
Kategorie: Adventure
VÖ: 1988
Entwicklungsstudio: Sierra On-Line
Sunlight Games
Publisher: Sierra On-Line
Retrotainment
Alterseinstufung: -
   
Test von: Hermann
Version: PAL
Spracheinstellung: -


Beschreibung

Ganz im Zeichen der aktuellen Wiederauferstehung des traditionellen Point & Click Adventures steht die Jubiläumsedition von Gold Rush. Im Gegensatz zu den bekannten Sierra Spielen Space Quest oder Larry, ist Gold Rush eher unbekannt. Obwohl es gegenüber den bekannteren Serien ein Schattendasein fristete, besaß es einige Qualitäten und hätte sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Für die wenigen Liebhaber des Spiels, gibt es zum 25. Jubiläum nicht nur eine Neuauflage des alten Sierra Spiels für PC und Amiga, es gibt sogar ein Anniversary Edition genanntes Remake mit modernerer Grafik.

Die Limited Editions machen auch gleich einen hervorragenden Eindruck, sind sie doch ganz im Stil der alten Sierra Packungen gehalten. Neben dem eigentlichen Spiel findet sich allerlei Zubehör in der Packung. In der Anniversary Edition finden sich zum Beispiel eine wirklich gute Karte vom Kalifornien und Umgebung, eine Metallmünze und ein Artbook. Zusätzlich ist noch die Originalversion des Spiels beigelegt.

Der Amiga Version der Original Spiels, liegt sogar das Remake für PC bei. Neben Amiga Disketten sind auch .adf Dateien vorhanden um mit Emulator spielen zu können.

Das Abenteuer beginnt 1849 zur Zeit der ersten Goldfunde in Kalifornien, welche eine Art Völkerwanderung in Amerika auslöste. Auch Jerrod, dessen Bruder Jake schon als Goldsucher lebt, wird vom Goldrausch erfaßt und zieht los um sein Glück zu machen. Natürlich geht schon die Abreise nicht so einfach, kosten Tickets doch schon eine Menge Geld. Um sein Ziel zu erreichen, müssen Jerrod und der Spieler einige harte Rätsel lösen.


Grafik ( 6 / 10 ):

Die alte EGA Grafik von Sierra hat noch die Bäume ausgerissen, bzw. gut dargestellt. Gold Rush! macht da auch keine Ausnahme. Trotzdem ist sie recht gut gelungen, da sie die Szenerie des wilden Westen gut einfängt. Enttäuschend ist wieder die Amiga Umsetzung. Anstatt die grafischen Fähigkeiten des Systems auszunutzen, wurde einfach die EGA Grafik übernommen. Der einzige Vorteil ist, daß das Spiel somit auch auf einem einfachen Amiga 500 mit Diskettenlaufwerk problemlos läuft.

Beim Remake ist es nicht viel besser, die Grafik sieht eher nach Hobbyprojekt aus und nicht nach einem Spiel von 2014. Zwar ist mittlerweile die Umgebung und die Charaktermodelle in 3D modeliert, das ganze ist aber nicht besonders detailliert. Gerade im Vergleich mit anderen Adventures mit handgezeichneter 2D Grafik, bleibt ein eher abschreckender Eindruck. Die einzelnen Orte wirken sehr statisch, zum Beispiel bewegen sich die Blätter der Bäume nicht. Auch die Personen, inklusive des Spielercharakters, bewegen sich steif und haben keinerlei Mimik.

Sehr gut gelungen ist es aber den Charme des Originals einzufangen. Schon der erste Ort im Spiel ist sofort wiedererkennbar und erzeugt ein wohliges nostalgisches Gefühl beim Spieler. Selbst mit der modernen, und nicht perfekten, Grafik, erkennt man am Screenshot sofort um welches Spiel es sich handelt.


Sound & Musik ( 2 / 10 ):

Auch wenn die Packung der Anniversary Edition mit Sprachausgabe und neu eingespielter Musik wirbt, gibt es nur wenig zu hören. Musik gab es im Original fast überhaupt keine, abgesehen von kurzen Jingles wenn ein Rätsel gelöst wurde. Beim Remake ist es nicht viel anders, auch wenn der Ton nicht mehr ganz so piepsig klingt. Beim Remake gibt es etwas mehr Hintergrundgeräusche zu hören, dies sind aber auch nur kurze, sich wiederholende Audioschnipsel aus der Konserve.

Wer auf die klassische Art, also über Texteingabe spielen will und erhofft hatte daß die Texte oder Gespräche vertont wurden, wird schnell enttäuscht sein. Im Spiel gibt es, genauso wie früher, nur Textfenster zu lesen. Nur wenn man das Spiel mit dem alternativen Point & Click Interface startet, ist alles vertont. Allerdings sind die Sprecher nicht besonders gut und auch nur in Englisch zu hören.


Singleplayer ( 8 / 10 ):

Kennt man die anderen Spiele von Sierra, kennt man auch das Spielsprinzip von Gold Rush! Der Spielercharakter wird mit den Cursortasten durch einen Bildschirm gesteuert und kann dann Mithilfe von Texteingaben Gegenstände aufnehmen, Aktionen auslösen oder mit Personen reden. Im Prinzip ist das ganze also ein Textadventure mit Grafik, nur mit dem Unterschied daß der Spieler im Bild herumlaufen kann und muß.

Die Anniversary Edition bleibt erstmal diesem Prinzip treu. In den Optionen zum Spielstart kann allerdings auch auf ein modernes Interface gewechselt werden. Ist dieses aktiviert, besitzt das Spiel eine typische Point & Click Bedienung.

Gegenüber den bekannteren Sierra Spielreihen besitzt Gold Rush! jedoch eine Besonderheit. Im mittleren Spielabschnitt stehen drei verschiedene Routen zur Auswahl, welche der Spieler nimmt hängt davon ab ob er sie entdeckt und ob er schnell genug handelt. Nach einer kurzen Zeitspanne wird der Goldfund in Kalifornien bekannt, und die Preise für manche Routen steigen ins unermeßliche. In diesem Fall bleibt nur die gefährlich Reise über Land. Jede Route ist komplett unabhängig von den anderen, was den Widerspielwert noch mal deutlich erhöht. Der erste Abschnitt in Brooklyn und der letzte Spielabschnitt in Kalifornien sind jedoch immer gleich.

Gold Rush! ist ein sehr unfaires und teilweise auch langatmiges Spiel, das Remake poliert diese ganzen Ecken und Kanten aus. Einige der Rätsel sind dadurch aber auch sehr leicht geworden. Während man im Original noch die Nummer des Bankkonto vom Auszug raussuchen mußte, reicht es wenn man in gefunden und aufgesammelt hat. Jerrod nennt dann automatisch die richtige Nummer, egal ob man den Auszug angeschaut hat oder nicht.

Wer statt mit der klassischen Texteingabe lieber mit dem Point & Click Interface spielt, hat es noch einmal einfacher. Da wichtige Gegenstände dann leicht mit der Maus zu finden sind und es außer Anschauen und Aufnehmen keine weiteren Aktionen gibt, sind viele Rätsel kinderleicht. Damit fällt schon mal die mühsame Suche nach den richtigen englischen Begriffen weg.

In der Anniversary Edition wurden auch einige nervige Faktoren des Originals entschärft. So stirbt Jerrod nicht bei jeder Kleinigkeit, etwas das bei Sierra spielen ja leider oft dazugehörte. Mit dieser Unsitte ist im Remake gebrochen worden. Wird Jerrod zum Beispiel vom Pferd getreten, bricht er nur kurz vor Schmerz zusammen. Vor allem sind aber die zufälligen Tode entfernt, auf welche der Spieler keinen Einfluß hatte. An anderen Stellen kann Jerrod aber immer noch viele Tode sterben, also gilt es immer noch oft zu speichern.

Gegenüber modernen Spielen merkt man das Alter aber deutlich, es gibt sehr wenige Rätsel zu lösen um im Spiel wirklich weiterzukommen. Meistens geht es nur darum, den ganzen unfairen Todesfallen auszuweichen und nach Kalifornien zu kommen. Kennt man die Lösung der Rätsel, ist das Spiel deutlich schneller zu Ende als andere Sierra Titel. Dafür punktet es mit seiner netten Geschichte und dem interessanten Setting.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht vorhanden.


Fazit:

Der erste Eindruck ist ja oft der wichtigste, und ist schon beim Auspacken durchweg positiv. Die Packung der Neuauflagen von Sunlight Games ist so gut gemacht, daß man unweigerlich an die alten Sierra Boxen denkt und schon anfängt nach dem alten Firmen Logo zu suchen. Im Regal steht es also am besten zwischen den alten Originalen, das hat Sunlight Games schon mal perfekt gemacht.

Auch spielerisch ist es ideal für alle die schon immer mal Gold Rush! spielen wollten und vom Original abgeschreckt wurden. Das Remake bügelt viel Fehler des alten Adventures aus und hält sich doch gleichzeitig sehr nahe am Original. Die etwas schwache und detailarme Grafik kann man da durchaus verschmerzen.

Gold Rush! hat nie den Ruhm bekommen der ihm zusteht, neben den viel bekannteren Quest oder Larry Spielen ist es ziemlich untergegangen, obwohl es ein wirklich schönes und interessantes Thema aufgreift. Dank Sunlight Games kann man dieses Versäumnis jetzt in einer nicht perfekten, aber rundum liebevollen Version nachholen.


Wertungsübersicht:

System: Amiga
Grafik: ( 6 / 10 )
Sound: ( 2 / 10 )
Singleplayer: ( 8 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
System: PC EGA
Grafik: ( 7 / 10 )
Sound: ( 4 / 10 )
Singleplayer: ( 8 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
System: PC Ann.
Grafik: ( 5 / 10 )
Sound: ( 5 / 10 )
Singleplayer: ( 8 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Bilderstrecke

Classic Edition PC EGA
Anniversary Edition PC
 

Tipps & Tricks



Gameplay Video Amiga Classic Edition



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Gameplay Video Anniversary Edition mit Textinterface



Gameplay Video Anniversary Edition mit Point & Click Interface