In dem fiktiven Land Grand-Chien irgendwo in Afrika, führt die Entführung des Präsidenten zu Chaos und Rebellion. Dessen Tochter heuert daraufhin eine Söldnereinheit an, welche ihren Vater wiederfinden und das Land befrieden soll.
Wie auch schon in den beiden Vorgängerspielen dient wieder die im Grundsatz ähnliche Geschichte, als Aufhänger um eine Einheit von Söldner durch mehrer Rundentaktikkämpfe zu führen. Dabei gilt es auch die Finanzen in einer rudimentären Wirtschaftssimluation im Griff zu behalten.
Grand Chien sieht sehr hübsch und abwechslungsreich aus, eine Satellitenansicht zeigt die einzelnen Zonen in der Übersicht. Betritt die Söldnergruppe das Gebiet, wird in eine 3D Ansicht gewechselt, in der die Einheiten frei herumlaufen können.
Während das Startgebiet eine kleine hügelige Insel ist, bieten die weiteren Gegenden viel Abwechslung. So gibt es afrikanische Savannen, bewachsene Dschungelgebiete, Sümpfe und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die verwendete Grafikengine zeigt all diese Gebiete stimmungsvoll und mit vielen kleinen Details an. Oder kurz gesagt, es sieht wirklich schön aus.
Jagged Alliance ist vor allem durch die kurzen Sprachfetzen seiner Söldner berühmt, Teil 3 sorgt auch hier für Freude. Allerdings in deutlich besserer Technik und mit mehr Abwechslung. Das führt zwar durch schönere Kommentare der Söldner und auch besseren Gesprächen im Team, verliert dadurch aber auch die abstruse Eigenheit des ersten Teils.
Dafür bekommt der Spieler gute englische Sprecher, auch wenn die übertriebenen Dialekte der einzelnen Figuren oft nervig klingen. Und nach längerer Spielzeit wiederholen sich die kurzen Phrasen recht oft. Anstatt genervt zu werden, fühlt man sich dadurch den Söldnern eher verbunden.
Die Musik bleibt dezent im Hintergrund und trägt ihren Teil zur tollen Atmosphäre bei, genauso wie die zahlreichen Hintergrundgeräusche. Diese klingen so realistisch, dass man sich manchmal wundert woher die komischen Vogelgeräusche kommen, obwohl doch alle Fenster zu sind. Oder noch besser, wenn Affengeschrei aus dem Lautsprecher kommt.
Der Einstieg ins Spiel wird dem Neuling nicht leicht gemacht. Mit nur wenig Grundwissen gilt es mit begrenztem Budget eine Söldnertruppe zusammenzustellen. Jeder potentielle Kandidat glänzt durch mehr oder weniger gute Werte in typischen Rollenspieleigenschaften. Also physische Eigenschaften wie Geschicklichkeit, Gesundheit und so weiter. Zusätzlich gibt es noch Fähigkeiten wie Technik oder Medizin. Insgesamt gibt es jeweils fünf körperliche und fünf wissensbasierte Fähigkeiten.
Was davon wichtig ist und wie man diese auf seine Truppe verteilen soll, ist völlig unklar. Es gibt nur wenige allgemeine Hinweise, manche davon sind auch nicht sehr hilfreich ohne Vorwissen. Das Gleiche gilt auch für das Tutorial. Da werden oft Erklärungen gegeben, die auf tieferes Wissen aufsetzen welches man aber erst nach längerem Spielen haben kann.
Wie hilfreich sind Tipps über eine Attacke aus dem Hinterhalt, wenn man diese noch nicht ausführen kann oder darf. Und auch nirgends erklärt wird, wie man so eine Attacke überhaupt ausführt. Da hilft auch die eingebaute Hilfefunktion nicht weiter, nur eine Recherche im Internet erklärt das fehlende Wissen.
Der erste Einsatz läuft dann auch entsprechend chaotisch ab, auch wenn er als Tutorial geplant ist. Deswegen wird das erste Spiel dann auch eher als Lernerfahrung abgelegt werden und ein neues Spiel gestartet.
Die Hauptaufgabe besteht darin, einen Sektor nach dem anderen zu erobern. Die Story liefert immer wieder Gründe und Hinweise was man als Nächstes angehen sollte. Prinzipiell ist der Spieler aber frei in seinen Entscheidungen. Viele Sektoren bieten kleine Ereignisse oder Nebenquests. Manche haben auch eine besondere Bedeutung. Am wichtigsten sind sicherlich die Diamantminen, welche nach Eroberung für Einkommen sorgen. Allerdings sind sie nach einiger Zeit erschöpft, wie lange Geld fließt, hängt unter anderem vom gewählten Schwierigkeitsgrad ab.
Auch eroberte Städte sorgen für ein geringes Einkommen, zusätzlich steigt dann die Moral in diesen Gegenden. Eine hohe Moral bringt manche Vorteile oder ist Voraussetzungen für das Gelingen bestimmter Aufgaben.
Um Städte oder Minen zu verteidigen, können Milzen aufgebaut werden. Diese führen dann automatisch Kämpfe, falls sie angegriffen werden. Somit ist das eroberte Gebiet nicht vogelfrei, wenn marodierende Gegnerbanden dort einmarschieren.
Um die Anzahl der Angriffe zu verringern, lohnt es, die gegnerischen Stützpunkte zu bekämpfen. Diese senden regelmäßig Truppen aus, bis sie erobert worden sind. So arbeitet sich die eigene Söldnereinheit immer weiter über die Karte voran und nimmt sie Stück für Stück ein.
Dabei begegnet unser Trupp zahlreichen Einwohner, welche nicht nur freundlich gesinnt sind, sondern auch Hilfe bei ihren Problemen suchen. Durch erfüllen dieser Aufträge steigt nicht nur die Moral in der benachbarten Stadt, sondern es gibt auch Geld und neue Ausrüstung.
Diese ist ein wichtiger teil zum Erfolg. Denn Ausrüstung und Munition ist teuer. Somit gilt es mit den Finanzen hauszuhalten. Das beste Equipment nützt nichts, wenn der Söldner damit heimfährt da man ihn nicht mehr bezahlen kann. Denn jeder angeheuerte Mitstreiter besteht auf regelmäßige Bezahlung. Und die verschlingt, zumindest zu Beginn, einen Großteil des verfügbaren Vermögens.
Zum Glück finden sich in der Welt, oder bei besiegten Gegnern, oft nützliche Rüstungsteile oder Waffen. So verbessert sich die eigene Truppe ohne zusätzliche Kosten. Um die knappe Munition zu sparen, muss ein Söldner dann auch mal mit einer schwachen MP5 rumlaufen, anstatt die tolle AK zu nehmen. 9mm Munition ist eben deutlich billiger und häufiger als die Munition der AK.
Wenn gut gewirtschaftet und gekämpft wird, Kosten und Verluste minimiert werden, fällt immer mehr der Karte in die Hand der eigenen Truppe. Dann ist es auch möglich weiter Truppen aufzubauen, bis zu 4 sind möglich. Oder es werden die billigen Anfangssöldner durch erfahrene, aber teure Experten, ersetzt. Hierbei ist der Spieler völlig frei in seinen Entscheidungen.
Diese Freiheit birgt aber auch Nachteile. An mancher Stelle scheitert man ohne das Wissen vorheriger Durchgänge. Manche Nebenmissionen kann man beim ersten Durchspielen nicht schaffen, da entweder enge Zeitlimits eine gewisse Vorarbeit voraussetzen oder die Loyalität einzelner Orte einen gewissen Wert erreicht haben muss. Erst beim zweiten Durchspielen kann man auf solche Dinge achten, da diese Information sich nicht im Voraus im Spiel sammeln lassen. Das kann aber auch als Vorteil gesehen werden, da es die Immersion steigert, wenn falsche Entscheidungen Konsequenzen haben. Und es motiviert das Ganze in einem weiteren Durchgang besser zu machen.
Andere Dinge beginnen mit steigender Spielzeit aber immer mehr zu stören. Zuallererst ist die KI dumm wie Brot. Gegner kommen einzeln angerannt und lassen sich niederstrecken, während die Kameraden in der Nähe stehen und nichts vom Kampf mitbekommen. Verbündete Milizen rennen sinnlos hin und her, ohne jemals in Nähe der Gegner zu gelangen. Diese Dummheit steigert sich in teilweise absurde Situationen. So passierte es, dass eine befreite Geisel nach(!) dem gewonnenen Kampf direkt in eine verbliebene Giftgaswolke rannte, um dort elendig zu verenden. Die Mission war damit natürlich gescheitert.
Ein weiteres Ärgernis ist die zickige Steuerung. Viel zu oft passieren schwere Fehler, weil ein Mausklick nicht die Aktion auslöst, die logischerweise zu erwarten wäre. Wer mit Söldner 1 einen Gegner zum Angriff auswählt, dann aber unentschlossen Söldner 2 anklickt, um dessen Optionen zu prüfen, wollte sicherlich nicht seinen Kollegen niederschießen. Genau das macht das Spiel aber. Aber auch andere Steuerungsprobleme nerven immer wieder und zwingen einen zum wiederholten Spielstand laden, um ungewollte Aktionen rückgängig zu machen. Als Spieler kann man ja schweren Herzens mit Fehlentscheidungen leben. Aber gravierende Nachteile durch ungewollte Aktionen des schlechten Interfaces, sind nicht akzeptabel.
Dafür hält eine schöne und abwechslungsreiche Kampagne bei Laune, welche auch nicht linear durchgespielt werden muss. Je nachdem wie der Spieler die verschiedenen Sektoren erobert, ändert sich auch der Verlauf des Spieles. So kann es schonmal passieren das am anderen Ende der Karte etwas passiert, der eigene Trupp aber zu weit entfernt ist um zu handeln.
Die Kombination aus taktischen Kämpfen, haushalten mit den knappen Ressourcen und Söldnern, und der netten und abwechslungsreichen Story, kann auch für längere Zeit begeistern. Zumindest ein zweites Durchspielen macht Laune, da man durch das gelernte Wissen viel effektiver spielen und auch die ein oder andere schlechte Entscheidung korrigieren kann.
Wer gerne bis ins kleinste Detail optimiert, kann die höheren Schwierigkeitsgrade aktivieren oder sich aus der reichhaltigen Mod-Szene bedienen. Dabei kann das Spiel aber schnell ins extrem Unfaire abgleiten.
Einige kleine Nickeligkeiten nerven, aber insgesamt bietet Jagged Alliance 3 viele Stunden sehr gute Unterhaltung.