Das Imperium hat die Macht über die Galaxie an sich gerissen, alle Jedi wurden brutal ausgelöscht und der gesamte Widerstand ist erloschen. Der gesamte Widerstand? Natürlich nicht. Auf einem abgelegenen Planeten der als Schrotthalde dient, lebt ein junger Bursche, der doch noch alles zum Guten wenden könnte.
Ob diese typische Heldengeschichte gut ausgeht, liegt am Spieler. Zeitlich ist das Abenteuer nach dem unsäglichen dritten Film angelegt, Palpatine hat die Macht an sich gerissen und den Jedi-Orden mit der Order 66 ausgelöscht.
Grafisch setzt schon das Intro den Spieler mit einer netten Anspielung auf die Originalfilme in Stimmung. Danach fliegt die Kamera über die Planetenoberfläche von Bracca und zeigt die heruntergekommen und verschmutze Welt, welche eigentlich nur noch eine riesige Schrotthalde ist.
Die Details der Raumschiffteile sind dabei überaus originalgetreu und geben einen schönen Einblick in die Innereien der riesigen Sterngleiter. Durch die regnerische Dämmerung fliegen zahlreiche Raumschiffe und auch einige Tie-Fighter. Eine imperiale Drohne schiebt sich für einige Zeit ins Sichtfeld, während die Kamera auf den Protagonisten zuhält.
Diese Szene zeigt schon deutlich wie belebt und liebevoll die Spielwelt von Fallen Order umgesetzt ist. Viele grafische Details sorgen für Wiedererkennungswert und Lebendigkeit der Spielabschnitte.
Das zieht sich über die verschiedenen Spielwelten, die einiges an Abwechslung bieten. So geht es unter anderen zur Heimatwelt der Wookies, welche aus einer feuchten Dschungel und Seenlandschaft besteht. Im Gegensatz dazu ist Zeffo eine stürmische und winterliche Welt mit geheimnisvollen Katakomben. Dathomir dagegen ist nicht mehr als ein rötlicher Felsbrocken im All, wobei auch dieser Planet seine Geheimnisse bietet und grafisch nicht langweilig wird.
Durch die dynamische Ausleuchtung der Szenerie wirkt die Welt sehr glaubwürdig und lebendig, auch wenn die Lichteffekte manchmal übertrieben wirken. So kann es passieren, dass in einem sehr hellen Raum mehrere Kisten stehen und Cal hinter diesen plötzlich von völliger Dunkelheit umgeben ist.
Praktischerweise kann er dann aber sein Lichtschwert zücken und dieses als Lampe missbrauchen. Je nach eingesetztem Kristall wird die Umgebung dann in die entsprechende Farbe getaucht.
Die Charaktere sind gut animiert, wobei BD-1 eindeutig als Sieger hervorgeht. Der kleine Roboter ist so putzig animiert und zeigt durch seine Bewegungen und Kopfhaltung eine Vielzahl von Gefühlen.
Gruselig sehen dagegen die Augen von Cals Begleitering Cere aus, sie erinnern ein wenig an eine gewisse Szene aus Total Recall. Richtig schlimm sind die Wookies. Anstatt an stämmige Krieger erinnern sie mehr an einen dürren Wischmopp.
Das sind aber glücklicherweise die einzigen Ausreißer, auch die Tierwelt und die Monster sind hervorragend gelungen.
Der technische Unterbau läuft so weit rund, an einigen Stellen hat das Spiel aber Probleme die Texturen rechtzeitig nachzuladen. Deutlich sichtbar ploppen diese erst kurz vor dem Spieler auf. In seltenen Fällen stockt das Spiel sogar für einige Sekunden.
Deutlich besser ist es beim Series X und PS5 Upgrade. Diese bieten 4K Auflösung und etwas schönere Texturen. Zusätzlich lässt sich zwischen einem 30Hz 4K Modus und einem mit 60Hz wählen, welcher dafür aber aus einer geringeren Auflösung hochskaliert.
HDR bieten beide Versionen, was die Lichteffekte nochmal deutlich beeindruckender macht. Auf der PS5 sieht das aber deutlich schlechter aus, als auf Series X.
Fallen Order bietet alles was der Star Wars Fan hören will. Es beginnt bei der klassischen Musik. Die tollen Themen werden passend zu den verschiedenen Welten eingesetzt, um betonen das Epische der Geschichte. Kein Inquisitor tritt ohne passend bedrohliche Musik zum Kampf an.
Das Geräusch der Lichtschwerter klingt vertraut und lässt die Kämpfe wie einen Star Wars Film wirken. Dazu zischen die Tie-Fighter mit dem typischen Kreischen über den Himmel.
Die Sturmtruppen benutzten lautstark ihre Blaster, natürlich ohne jemals etwas zu treffen und ihre Stimmen haben den typischen verfremdeten Klang, der durch die Helme verursacht wird. Bei Star Wars ist die Welt akaustisch einfach in Ordnung.
Aber auch die englischen Sprecher sind gut ausgewählt und geben sich keine Blöße. Zusammen mit den zahlreichen Umgebungsgeräuschen der verschiedenen Welten bietet sich den Ohren ein Erlebnis das einem Star Wars Film in nichts nachsteht.
Die deutschen Sprecher sind dagegen nicht besonders passend zu den Charakteren und klingen teilweise sehr bemüht.
Zu Beginn des Spiels lebt der junge Cal Kestis, dessen Meister vor Abschluss seiner Ausbildung während der Order 66 getötet wurde, versteckt unter den Schrottsammler des Planeten Bracca. Außer seinem Freund und Arbeitskollegen Prauf hat er wenig Kontakt mit anderen.
Zu Spielbeginn werden beide mit einer neuen Aufgabe betraut, der Weg zur Arbeitsstätte dient als Tutorial für die grundlegenden Bewegungen. Laufen, Springen, Klettern und an Seilen Schwingen funktioniert wie z.B. von Uncharted bekannt. Das ganze funktioniert sehr gut, und Cal ist schon nach kurzer Eingewöhnungszeit sicher in der Spielwelt unterwegs.
Als kurz darauf ein Unglück passiert, stürzt Prauf aus großer Höhe ab, worauf Cal ihn mit Hilfe der Macht rettet. Leider bleibt das dem Imperium nicht verborgen und sein Freund wird von einer Inquisitorin getötet, worauf sich Cal zu erkennen gibt. Mangels Ausbildung und Fähigkeiten endet der kurze Kampf aber mit seiner Flucht. Dieser Abschnitt bringt die weiteren Grundlagen für den Kampf bei.
Cal kann mit dem Lichtschwert angreifen und parieren, auch gegnerische Projektile kann er zurückwerfen. Praktisch gegen bewaffnete Sturmtruppler. Im Laufe des Spiels, lernt er auch zahlreiche neue Fähigkeiten, so kann er sein Lichtschwert werfen, um entfernte Feinde auszuschalten.
Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Cere, eine Ex-Jedi und ihr etwas seltsamer Pilot retten Cal vor der Inquisition und bringen ihn auf einen abgelegenen Planeten. Auf diesem ist ein Geheimnis versteckt, das dabei helfen könnte den Jedi Orden wieder aufzubauen. Dabei trifft Cal dann auf den süßen Droiden BD-1, der ab diesem Zeitpunkt sein treuer Begleiter wird.
Zusammen mit ihm und der Crew der Mantis, bereisen sie verschiedene Planeten um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Über die Holokarte des Schiffes können die schon bekannten Welten frei ausgewählt und angeflogen werden. Da Cal nicht sofort alle Gebiete erkunden kann, muss er auch mehrfach zwischen den Planeten wechseln.
Für besiegte Feinde, aufgesammelte Information und entdeckte Geheimnisse bei seinen Erkundungen, bekommt Cal Erfahrungspunkte. Sammelt er genug, gibt es einen Skillpunkt, der für neue Fähigkeiten eingesetzt werden kann. Spätere Fertigkeiten kosten bis zu drei Skillpunkten.
Eine wirklich schöne Idee hatten die Entwickler, um Cal einige der besonderen Techniken beizubringen, welche im weiteren Spielverlauf verfügbar werden. Das Spiel wechselt dann in Cals Erinnerungen als junger Padawan, wo ihm sein Meister diese in einem sterilen Trainingsraum beibrachte. Um z.B. den Doppelsprung zu erlernen, soll der jugendliche Cal eine höhere Plattform erreichen. Zuerst darf der Spieler ohne jede Erklärung herumprobieren, wobei er ohne die neue Fähigkeit natürlich scheitert. Jeder Fehlversuch wird von seinem Meister mit schlauen Jedi-Weisheiten kommentiert. Nach einigen Versuchen “lernt” Cal dann die neue Fähigkeit und das Spiel wechselt zurück zum normalen Ablauf. Ab diesem Zeitpunkt ist diese dann verfügbar und eröffnet neue Wege. Ein klassisches Metroidvania Spielprinzip. Auch BD-1 wird an bestimmtem Stellen des Abenteuers mit Upgrades verbessert um neue Bereiche erreichbar zu machen.
Doch auch bei anderen Spielen haben sich die Entwickler bedient. An Meditationspunkten, ähnlich den Lagerfeuern von Dark Souls, kann Cal rasten und seine Stims auffüllen. Diese dienen als Heilitems und können über den Skilltree verbessert werden. In geheimen Kisten finden sich auch weitere Stims, so dass die Anzahl von anfänglich zwei, auf bis zu zehn gesteigert werden kann. Gerade für die Bosskämpfe ein nicht unwichtiger Vorteil.
Der Preis der Meditation ist aber, dass Gegner wieder im Level auftauchen. Das bringt zwar neue potentielle Erfahrungspunkte, allerdings muss der schon erkundete Weg erneut freigeräumt werden. Durch die neuen Fähigkeiten und Verbesserungen fällt das natürlich immer leichter.
Bei Tod erfolgt der Respwan am letzten besuchten Meditationspunkt. Auch danach sind alle Gegner wieder da und der Gegner der einen getötet hatte, leuchtet hell. Wird dieser einmal getroffen, erhält Cal seine Erfahrungspunkte zurück. Erfolgte der Tod durch Absturz liegen die Punkte auf dem Boden neben der Stelle des Ablebens.
Im Laufe des Spieles begegnet Cal vielen unterschiedlichen Gegner, welche auch immer gefährlicher werden. Neue Gegner müssen vom Spieler zuerst erlernt werden, meistens ist aber nach wenigen Versuche klar, wo die Schwächen sind. Manchmal hilft ein einfaches Ausweichen gegen bestimmte Angriffe. Ein anderes Mal ist ein Force Push nötig, um die Energieversorgung aus einer gegnerischen Kampfmaschine zu schleudern und Schaden anrichten zu können.
Eine größere Herausforderung bilden die Bosskämpfe, netterweise ist aber immer ein Meditationspunkt kurz davor um unnötige Laufwege in den verwinkelten Spielwelten zu ersparen.
Bei der Orientierung hilft eine dreidimensionale Karte, die auch sehr gut lesbar ist. Diese zeigt auch bisher ungeöffnete Wege an. Grün markiert dabei, dass Cal schon die nötigen Fähigkeiten besitzt um den Weg zu beschreiten, rote Markierungen sind aktuell noch unüberwindbar.
Die Karte ist bei der Erkundung der Welten unverzichtbar und gibt Cal die Richtung seines nächsten Zieles vor. Dabei ist neben den Fähigkeiten im Kampf auch Geschick beim Klettern und Springen wichtig. Viele Teile der Spielwelt sind verwinkelte Parcours, gespickt mit Gegner und Fallen.
Aus vielen Gebieten gibt es jedoch freischaltbare Abkürzungen, so dass die Fortbewegung auf den Planeten nicht zu mühsam wird. Vor allem im normalen Spielablauf sind unnötige lange Wege nicht nötig. Nur wer unbedingt alle Geheimnisse und Sammelgegenstände finden will, wird beim mehrfachen ablaufen der Gebiete irgendwann genervt sein.
Während die Fortbewegung in der Welt sehr flott und spaßig von der Hand geht, sind die Rutschpartien über lange Rampen super nervig. Cal steuert sich dabei nicht nur sprichwörtlich wie ein Tanklaster bei Glatteis, sondern muss dabei noch Abgründe überwinden oder zielgenau zu Kletterseilen springen. Andauernd schafft er eine Kurve nicht oder der Sprung sitzt nicht richtig. Und dann geht das Gerutsche ganz von vorne los. Immer und immer wieder, bis man es dann doch mal schafft.
An einigen Stellen stören Kleinigkeiten die Immersion. Manchmal hört man Stormtrooper reden, obwohl sie in einem komplett anderen Abschnitt der Spielwelt stehen. Manchmal gibt der Protagonist unpassende Kommentare von sich. So wundert sich Cal beim Erklettern einer Steilwand, ob das Wesen vor sich wohl freundlich oder feindlich gesinnt ist. Nur gibt es da kein Wesen zu sehen. Die Lösung findet sich, als er etwas später die Wand erklommen hat. Außer Sichtweite wartet ein bisher nicht sichtbarer Gegner auf den angehenden Jedi.
Eines ist ziemlich klar, Fallen Order macht mehr Spaß als die mittelmäßigen Kinofilme, die in den letzten Jahren herausgekommen sind. Das Star Wars Feeling kommt gut rüber und die spaßige Mischung aus Uncharted, Metroidvania und Dead Souls ist ein kurzweiliger Zeitvertreib. Die nette Story, das tolle Universum und das Spielprinzip, passen perfekt zusammen und sind gut abgestimmt. So lässt es sich geschmeidig Spielen und auch das Sammeln der Extras macht viel gute Laune.
Wer eine Series X oder PS5 besitzt, freut sich über das kostenlos erhältliche Upgrade mit etwas aufgebrezelter Grafik.