The Last Ninja

Getestetes System: C64
Weitere Systeme: -
Kategorie: Action Adventure
VÖ: 1987
Entwicklungsstudio: System 3
Publisher: System 3
Alterseinstufung: -
   
Test von: Hermann
Version: -
Spracheinstellung: -


Beschreibung

Einer der großen und bekannten Klassiker ist auch gleichzeitig ein umstrittenes Spiel. Fans lieben es, während andere die schlechte Spielbarkeit hervorheben. Die Rede ist von The Last Ninja, welches auch damals schon die Gemüter gespalten hat.

Die Story ist schnell erzählt, ein unglaublich böser Schurke hat einen kompletten Ninjaclan ausgelöscht. Nur ein einziger überlebte und ist jetzt auf Rache aus. Storytechnisch ist das Spiel eindeutig ein Kind seiner Zeit.


Grafik ( 9 / 10 ):

Auch wenn die Meinungen geteilt sind, ob es sich um einen Grafikblender handelt oder nicht, gibt es keinen Zweifel: The Last Ninja sieht für ein C64 Spiel umwerfend aus.

Die sechs, grafisch unterschiedlichen, Level, sind in einzelne Bildschirme aufgeteilt. Scrolling gibt es in der isometrischen Grafik nicht. Jeder Bildschirm wird einzeln aufgebaut, was ein bis zwei Sekunden dauern kann.

Aber was dann geboten wird, erfreut das Auge. Das erste Level ist eine reine Augenweide. Der Spielstart führt durch schön angelegte Gärten in asiatischem Design. Große Steine wirken außerordentlich plastisch und detailliert, anstatt nur einfarbige grause Klumpen zu sein. Bäche plätschern durch ihr steinernes Bachbett und sind idyllisch von Pflanzen gesäumt. An anderen Stellen finden sich Statuen, Brunnen oder kleine Pavillons.

Der Ninja ist zwar nur einfarbig und auch die Waffen sind nur in ihrer Form erkennbar. Dafür sind die Bewegungen aber natürlich und, für C64 Verhältnisse, flüssig animiert.

Es ist schwer, die Faszination von damals zu beschreiben, aber viele andere Spiele waren grafisch noch auf dem Stand von blockigen, einfarbigen Grafiken. Nur 2D Shooter waren grafisch weit voraus.


Sound & Musik ( 9 / 10 ):

Zur sehr guten Grafik kam noch der hervorragende Sound dazu. Nicht umsonst findet sich die Musik des ersten Levels auf vielen Hitlisten der 8-Bit-Musik. Die meisten dürften die Melodie auch sofort erkennen, da auch keine Soundeffekte den Musikgenuss unterbrachen.

Die Titel der weiteren Spielabschnitte sind auch sehr gut, düften den meisten Spielern aber unbekannt geblieben sein. Außer sie hatten eine Raubkopie mit Trainer. Aber wer nutze sowas den schon ...


Singleplayer ( 6 / 10 ):

Denn selbst mit Anleitung werden die meisten schon im ersten Level gescheitert sein. Dafür gibt es einige Gründe. Der Erste ist die wirklich unglaublich zickige Steuerung. Der Ninja läuft immer in die Richtung des Joysticks, wobei er sich aber nicht immer in Laufrichtung umdreht. Im Gegenteil, er rennt dann im Zweifelsfall rückwärts.

Um sich zu drehen, muss die Laufrichtung kreisförmig mit dem Stick geändert werden. Dann dreht sich der Ninja auch mit. Klingt kompliziert? Ist es auch!

Dabei hat das System im Kampf auch Vorteile, sobald es durch viel Übung verinnerlicht wurde. Denn es ist möglich, sich dadurch etwas Freiraum zu erschaffen, was beim Einsatz von Stangenwaffen hilfreich ist.

Denn auch wenn es nicht so einfach erkennbar ist, hat das Kampfsystem einige Feinheiten. Der Faustkampf ist nur am Anfang wichtig, schon nach dem ersten Kampf findet sich ein Schwert. Dieses ist eine sehr gute Nahkampfwaffe, hat aber gegen den Stock den Nachteil der kurzen Reichweite. Mit der Stangenwaffe kann man sich Gegner vom Leib halten, gehen die aber auf Körperkontakt lässt die Effektivität extrem nach. Genau in so einem Fall hilft der Rückzug, um wieder etwas Abstand von Gegner zu erhalten.

Die Nunchakus liegen irgendwo dazwischen. Wichtiger sind Shuriken, mit denen Gegner mit einem Treffer ausgeschaltet werden können. Alle anderen Waffen brauchen mehrere Treffer, welche am unteren Bildschirmrand in Form eines spiralförmigen Lebensbalkens angezeigt wird.

Ist das Kampfsystem gemeistert, kommt die nächste Hürde ins Spiel. Die so lieblich aussehenden Bachläufe sind in Wahrheit lebensgefährliche, reißende Flüsse. Ab dem zweiten Level müssen diese in Sprungpassagen überquert werden, verfehlt der Ninja einen Trittstein, stirbt er einen sofortigen Tod.

Und der Spieler wird diesen Tod sehr oft erleben. Die Sprünge müssen pixelgenau erfolgen. Bei jedem Stein muss die eigene Position nachjustiert werden, auch wieder pixelgenau, um dann den nächsten Sprung zu wagen. Dabei gilt es abzuwägen, ob der lange oder der kurze Sprung anzusetzen ist. Das muss natürlich auch wieder pixelgenau passen.

Wer sich jetzt über die vielfache Wiederholung des Wortes pixelgenau wundert, kann sich dabei jedes Mal fünf fehlgeschlagene Versuche mit sofortigem Ableben der Spielfigur vorstellen. Dazu die Anzahl von zwei bis drei Spielerleben, nach deren Verlust der Neustarts des Levels erfolgt.

Genau so spielt sich The Last Ninja. Die Sprungpassagen sind selbst mit unendlichen Leben durch Trainer ein Quell des absoluten Frustes.

Aber auch Spieler die sich davon nicht haben abschrecken lassen, Stichwort „Wir hatten ja nix“, werden an ihre Grenzen getrieben. Um im Spiel weiterzukommen, gibt es in jedem Level ein Rätsel zu lösen. Hinweise dazu gibt es keine.

Dass man mithilfe des Kletterhakens eine Wand hoch, bzw. runterklettern kann, ist irgendwie logisch. Zumindest wenn man dank Komplettlösung die Stelle kennt, wo man diesen im Inventar auswählen muss. Dass man dabei aber keine Waffe in der Hand haben darf, ist dann nicht mehr logisch. Die meisten Spieler werden wohl eher vermuten haben, dass sie an der falschen Stelle stehen, und dann aufgegeben haben.

Richtig fies wird es dort, wo der Ninja die Wand runterklettern muss. Zuerst muss er sich mit dem Rücken zur Wand drehen, dann den Kletterhaken auswählen und die Waffe wegstecken. Dann vorsichtig rückwärts an der richtigen Stelle zur Wand gehen. Ist eine dieser vier Voraussetzungen nicht erfüllt, stürzt der Ninja in den Tod.

Zumindest kann der Kletterhaken im gleichen Level gefunden werden, denn ohne diesen kommt der Spieler einfach nicht weiter. Gemeiner ist der Schlüssel aus dem ersten Level. Wurde dieser übersehen, geht es einige Level später in eine Sackgasse. Das Spiel ist nicht mehr schaffbar.

Damit es nicht zu einfach wird, gibt es auch keinerlei Hinweise. Für den Spieler ist nicht erkennbar, dass hier ein Item fehlt. Denn der Durchgang sieht wie ein beliebiges grafisches Element aus, wie sie an einigen anderen Stellen im Spiel vorkommen. Erst mit dem Schlüssel im Besitz, kann der Weg durchschritten werden.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht vorhanden.


Fazit:

Viele der Schwächen lassen sich durch Übung, Trainer oder den modernen Savestates von Retrokonsolen ausmerzen. Die fiesen Sprungpassagen frustrieren aber immer noch.

Trotzdem strahlt das Spiel durch Setting, Grafik und Musik, immer noch eine starke Faszination aus. Und groß ist die Freude, es nach so vielen Jahren auch endlich mal durchgespielt zu haben.


Wertungsübersicht:

System: C64
Grafik: ( 9 / 10 )
Sound: ( 9 / 10 )
Singleplayer: ( 6 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Bilderstrecke

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